Eines vorneweg, damit mich keiner falsch versteht: Das Unglück an der Zugspitze ist tragisch und was ich schreibe, soll auch keinen der Betroffenen beleidigen.
Beim Zugspitz-Berglauf sind gestern zwei Männer ums Leben gekommen, viele weitere Läufer mussten völlig erschöpft und mit teilweise schweren Unterkühlungen mit Hubschraubern gerettet werden, die Körpertemperaturen waren bei manchen auf lebensgefährliche 30 bis 32 Grad Celsius abgesunken. Ich frage mich aber ernsthaft, wieso jetzt die Staatsanwaltschaft München prüft, ob einem Dritten, dem Veranstalter getgoing GmbH, die Schuld zugeschoben werden kann, ich formuliere das bewusst drastisch.
Lernt nicht der unbeholfenste Flachlandtiroler in jedem Anfänger-Wanderführer, dass man in den Bergen immer mit einem schnellen Wetterwechsel rechnen muss, sich nicht auf das Wetter im Tal verlassen darf und passende warme Kleidung mit sich führen muss? Die Teilnehmer werden zwar allesamt gerne als Extremsportler bezeichnet, ich möchte aber trotzdem in Frage stellen, ob Leute, die in kurzer Hose und leichter Bekleidung ins Hochgebirge aufbrechen, wirklich als Extremsportler bezeichnet werden dürfen, oder ob das durchschnittlich trainierte Freizeitsportler sind, die sich selbst zu viel zutrauen und mit völlig falscher Kleidung in alpinen Regionen ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Bilder in den Nachrichten und auf Spiegel-Online sprechen für sich. Die einen in Langarm-Klamotten und Regenjacke bzw. Laufklamotten, Armlingen, Beinlingen und Regenschutz, die Rückentaschen noch vollgestopft, andere mit leichtem Höschen und schulterfreiem Top, ohne weiteres Kleingepäck… Alles sind erwachsene Menschen und der gesunde Menschenverstand sollte zum Abbruch bewegen, wenn das Wetter umschlägt und die Ausrüstung minderwertig ist. Da braucht es keinen Veranstalter, der sagt, jetzt ist Ende. Wer im Regen beginnt, kann nicht mit sinkenden Temperaturen noch glauben, dass er 14,7 Kilometer und 2100 Höhenmeter bewältigt, wenn er (oder sie) schon völlig durchnässt ist, was mit passender Kleidung wiederum nicht passiert. Die Alpin-Touristen, die mt der Seilbahn auf den Berg fahren und dort glauben, sie müssten sich mit Turnschuhen in hochalpine Regionen wagen, verunglücken auch regelmäßig und keine Staatsanwaltschaft ermittelt. Es ist unverantwortlich, so “ausgerüstet” wie viele Teilnehmer zum Zugspitz-Berglauf anzutreten, alles sind erwachsene Menschen, da muss sich auch nicht ein Veranstalter am Start hinstellen und wie der Lehrer bei seinen Schülern aufpassen, dass alle richtig angezogen sind. Bei 550 Teilnehmern wird das schwer und eine gewissen Kompetenz sollte man von Leuten erwarten dürfen, die einen Berg im Lauftempo bezwingen wollen. Hätte der Veranstalter nicht abbrechen müssen? Diese Frage lese ich immer wieder. Letztes Jahr hat er abgebrochen. Und wurde kritisiert. Dieses Jahr hat er auch abgebrochen, zu spät, wie andere befinden. Auch der motivierende Satz auf der Homepage des Veranstalters, jeder, der die Strecke schaffe, dürfe sich als Sieger fühlen, wird heute gerne zitiert. Unkommentiert, aber doch mit dem gewissen mahnenden und v.a. wissenden Unterton, die “Extremsportler” wurden noch zusätzlich gepusht.
Ich wage zu behaupten, viele haben nicht die unbedingt nötige alpine Erfahrung mitgebracht, um an diesem Lauf teilzunehmen zu können. Was hätte es den zu dünn angezogenen Läufern geholfen, wenn der Veranstalter früher abgebrochen hätte? Sie waren auf dem Berg und mussten ja irgendwie wieder runter. Überall kann die Bergwacht nicht mit Rettungsdecken und Tee sein. Der Wetterbericht scheint nicht der beste gewesen zu sein. Jetzt kann man zwar den Konjunktiv bemühen und sagen, der Lauf hätte ganz abgesagt werden müssen, aber die gleichen Leute hätten dann wahrscheinlich den Veranstalter für diese Entscheidung kritisiert und hinterher ist man bekanntlich immer schlauer. Die Eigenverantortung jedes einzelnen Teilnehmers kommt hier meines Erachtens viel zu kurz. Extremsport in den Bergen ist nichts für einen Sonntagsausflug.
Die Berge sind ein Traum bei schönem Wetter. Bei schlechtem Wetter werden sie aber auch ganz schnell zur Todesfalle. In den Dolomiten heißen Hütten auf Italienisch nicht ohne Grund Rifugio, frei mit Zuflucht übersetzt.
Seht es mir nach, aber die tendenziell einseitige Berichterstattung in Kombination mit den Bildern hat mich richtig geärgert. Immer wird erstmal auf andere gezeigt, bei sich die Schuld suchen? Ausgeschlossen.
StoiBär ist übrigens der gleichen Meinung wie ich, das beruhigt mich. Und dass der Zugspitz-Berglauf nicht gerade der härteste ist, habe ich die Tage auch schon irgendwo gelesen. Passend dazu sei auch der Kommentar auf Focus-Online empfohlen.
algore Antwort vom[14. Juli 2008, 21:32]:
Naja, leidenschaftliche Bergsteiger mag es überall in unserem Land geben, aber im Lauftempo in alpine Regionen, dafür braucht man eben doch das regelmäßige Training, das das Sauerland, der Brocken oder das Erzgebirge nicht bieten.
[Antwort]