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Blogroll die 2te
Rückblick
Dienstag, 29. Juni 2010, 16:12 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 4 ]

Mehr als vier Wochen bin ich schon wieder in der Heimat und  in der Zeit wurde ich immer wieder nach einem Gesamturteil über meine Reise gefragt und ob ich das nochmal machen würde. Ich habe mir sowieso schon länger vorgenommen, die positiven und negativen Seiten gegenüber zu stellen, die ich auch dem Veranstalter mitteilen werde.

Die Kritikpunkte betreffen in erster Linie die Schule, die Partnerorganisation von TravelWorks. Etwas unflexibel habe ich es z.B. empfunden, als ich am Ende der Woche bei der Gastfamilie gefragt habe, ob ich nicht weiterhin dort wohnen könnte. Auf die Idee wäre ich selbst gar nicht gekommen, wenn mir das die Gastmutter nicht angeboten hätte. Es hing wohl wiedermal am Geld, das die Schule der Familie hätte zahlen müssen. Die Übernachtung in der Schule ist auch nicht gerade billig und hatte schon im Voraus dafür gezahlt. Bei – wie ich hörte – 21 $ am Tag (unter peruanischen Verhältnissen) hätte ich in einem einfachen Hostal bestimmt besser gelebt. Für diesen Betrag war ich in einem kleinen Doppelzimmer untergebracht und erhielt Frühstück und Mittagessen. Mein Zimmer lag leider direkt an der Terrasse, wo sich alle versammelten. Besonders schön war es, wenn man morgens – oder egal zu welcher Tageszeit – aus dem Zimmer kam und von allen angestiert wurde. Auch wenn man positiv anmerken könnte, dass jeden Samstag das Bett frisch “bezogen” wurde, war es dann trotzdem nicht besonders frisch. Von Beziehen kann man auch nicht gerade sprechen, weil es in Peru keine Überzüge wie bei uns gibt. Stattdessen befindet sich zwischen dem Schlafenden und der zentnerschweren Alpakadecke, die nicht gewechselt wird, lediglich ein einfaches Betttuch, das morgens auch des öfteren verschoben war. Jene Betttücher wurden auch nur durch ein Wasserbad gereinigt nass gemacht. Die sanitäre Einrichtung war auch nicht gerade im grünen Bereich. Auf Anfrage sagte man mir zwar, dass die Toiletten/Duschen täglich gereinigt werden würden, ich bin mir aber sehr sicher, dass das nicht immer so war, gerade weil ich durch mein Projekt immer einer der ersten auf den Beinen war. Ein häufiges Ärgernis waren die Duschen selbst. Am Wasserhahn war es ja eigentlich normal, dass nur kaltes Wasser herauskommt (besonders unangenehm beim Rasieren), aber bei den nächtlichen Temperaturen im Zimmer und im Freien wär es doch wirklich schön gewesen, wenn aus der Dusche regelmäßig warmes Wasser gekommen wäre. Nachts wurde das Warmwasser abgestellt – aus Umweltgründen – und so passierte es, dass früh entweder vergessen wurde, die Warmwasserzufuhr wieder anzukurbeln oder es blieb einfach so kalt.

Über manche Mitstudenten habe ich ja schon manchmal meine Meinung durchklingen lassen. Die Holländer waren eindeutig in der Mehrheit (die Gründerin der Schule ist Holländerin) und daher war es wirklich nervig, dass man in jeder Ecke die holländische Sprache vernehmen musste. Die restlichen Unterhaltungen wurden auf Englisch geführt. Auch wenn in der ganzen Sprachschule Plakate mit dem Hinweis hängen, dass man hier Spanisch spricht, hat sich niemand daran gehalten. Somit musste ich mir immer andere Gelegenheiten suchen, wo ich mein ohnehin nicht so gutes Spanisch praktizieren konnte.

Was das Projekt im Kindergarten betrifft, bereue ich die Entscheidung keinesfalls, jedoch hatte ich immer den Eindruck, dass man dort nicht unbedingt auf Helfer angewiesen ist. Es glich eher einem Praktikum, in dem man die meiste Zeit zuschaut und gelegentlich den Erzieherinnen unter die Arme greift (das ist nicht wörtlich gemeint). Die Projekte profitieren hauptsächlich von den Geldern, die sie von den Projektvermittlern, wie hier die Sprachschule, erhalten.

Die Schule verfügt über ein eigenes Reisebüro, mit dem sie schon im Informationsschreiben nach der Buchung wirbt. Ich fand das zunächst gut, weil ich davon ausging, dass man dort zu speziellen, vergünstigten Preisen Touren buchen kann. Nach meiner ersten Tour war ich allerdings aufgeklärt, als ich mitbekam, dass ich innerhalb der Reisegruppe derjenige war, der so ziemlich den höchsten Preis gezahlt hatte. Von anderen in der Schule hörte ich dann noch, dass sie bei einer Agentur in Cusco einen Bruchteil meines scheinbar günstigen Preises löhnen durften. Von da an habe ich alles selbst in die Hand genommen und kam auch entsprechend billiger davon. Dass man somit die Unsicherheit der Fremden ausnutzt habe ich im Büro der Schule auch angefügt. Die Angestellte der Schule wollte es weitergeben; ob sich was ändert, werde ich wohl nie erfahren.
Den von der Schule angebotenen Wäscheservice habe ich erst gar nicht genutzt, als ich gehört habe, dass die gerne mal bescheißen und mehr Kilos berechnen, als man abgibt.

Mittwochs ist immer Filmabend in der Schule. Da sitzen alle Interessierten vor einer Leinwand auf der Terrasse und schauen sich bei niedrigen Temperaturen einen Spielfilm an. Normalerweise sollte der auf Spanisch sein, zumindest mit Untertiteln. Beim letzten dieser Abende, an dem ich beigewohnt habe, lief City of God – allerdings auf Portugiesisch mit englischen Untertiteln. Den Sinn in einer Spanisch-Sprachschule einen portugiesischen Film zu zeigen, kann ich bis heute nicht nachvollziehen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Schule an der falschen Stelle spart. Anstatt Außenstellen zu betreiben, fände ich es sinnvoller, die sanitären Einrichtungen auf einen angemessenen Standard zu bringen. Bei den Räumlichkeiten ist jeder Winkel ausgenutzt, sodass die Klassenzimmer teilweise wirklich ungemütlich und ohne Fenster sind. Noch dazu ist das sog. Internet-Café mit vier PC, von denen auch oft mindestens einer einen Virus hatte, direkt neben einem Klassenzimmer, wo schon die kleinste Unterhaltung störend war.

Positiv sollte ich aber endlich mal sagen, dass ich über das Personal gar nichts Schlechtes sagen konnte. Mit meinen beiden Lehrkräften war ich sehr zufrieden und auch das Küchenpersonal war immer freundlich (zu mir zumindest), besonders hilfsbereit und aufmerksam waren sie, wenn ich krank war. Abgesehen vom Reis war das Essen auch nie zu knapp und in den meisten Fällen hat es ehrlich gut geschmeckt. Die Schule bietet genügend Freizeitmöglichkeiten an, man muss sie nur nutzen. Auch von der Organisation war alles bestens, von Programmbeginn in Lima, der Abholung am Flughafen bis zur Kontaktaufnahme mit dem Projekt hat alles bestens funktioniert. Eine Angestellte vom Büro ist auch mit mir zum Projekt gefahren und hat mir den Weg gezeigt, was jetzt nicht selbstverständlich für mich gewesen wäre.

Ich glaube nicht, dass ich in Cusco oder unter ähnlichen klimatischen Bedingungen ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr verbringen möchte, weil man eben doch immer mit einer laufenen Nase, trockenen Lippen oder kranken Leuten zusammen ist. Dass ich mir keinen Parasit eingefangen habe, ist schon ein großes Glück. Jeden Tag zwischen Winter- und Sommerklamotten zu wechseln, bei jedem Essen vorsichtig sein zu müssen und stets auf Wasser aus der Flasche angewiesen zu sein, macht auf Dauer auch keinen Spaß.

Da man oft lesen kann, wie gefährlich es in Peru ist, kann ich für mich sagen, dass ich nie die Sorge hatte, in Gefahr sein zu können, außer vielleicht bei manchen Busfahrten; Busunglücke sind ja bei der Fahrweise dort leider nicht so selten (obwohl man dazu sagen muss, dass dort wesentlich mehr Bus gefahren wird als hier), wie ich erst gestern wieder lesen musste. Es wird ja auch geraten, nachts selbst bei kürzeren Strecken Taxis zu nehmen, was ich auch nie für nötig empfunden habe. In Lima ist das vielleicht eher angebracht, aber für Cusco – besonders im Zentrum – unnötig.

Als Fazit kann ich sicher sagen, dass ich die Reise auf keinen Fall bereue und froh über alle Erfahrungen bin, die ich in der Zeit gemacht habe. Gerade wenn man mal länger unter diesen für uns sehr einfachen Bedingungen leben muss, weiß man erst richtig zu schätzen, was man in der Heimat alles hat und dort als selbstverständlich empfindet. So kann ich jedem, der mal für ein paar Wochen ins Ausland gehen möchte oder keine Zeit für ein normales Freiwilligenprojekt hat (die dauern nämlich meistens mindestens neun oder zwölf Monate), diese Kombination empfehlen. Ändern würde ich beim nächsten Mal wahrscheinlich den Gruppen- zum Einzelunterricht und das Geld für die Freiwilligenarbeit auch; also beim zweiten Mal, denn einmal ist die Erfahrung wirklich wertvoll. Ob man statt in dem Studentenwohnheim in einem Hostal besser und günstiger lebt, müsste man vergleichen; schlechter bestimmt nicht. Sprachkurs würde ich wieder ein, zwei Wochen machen, aber mehr Zeit zum Reisen einplanen. Wichtig ist nur, stets die Preise zu vergleichen.


Happy End
Samstag, 29. Mai 2010, 23:33 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Heute kurz nach 9 Uhr klingelte es und da stand der gelbe DHL-Laster mit meinem in Folie gepackten Trolley. Die Folie hatte ich – wie auch schon in Lima – in Miami um das bereits angeschlagene Stück wickeln lassen, um eine möglichst sichere Heimkehr meiner Utensilien zu garantieren. Folie und Trolley waren von den vielen Umstiegen gezeichnet, aber noch geschlossen. Auch das Innere war in Ordnung, sodass ich – zufrieden über die schnelle Rückkehr – auspacken konnte. Billig war der Transport mit DHL-Express bestimmt nicht, aber das ist nicht mein Problem. Ich danke der Lufthansa für die Recherche und den Service, den ich so bei US Airways sicher nicht gehabt hätte.


Das Ende einer langen Reise
Freitag, 28. Mai 2010, 21:48 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 1 ]

Am Dienstag lag ich noch bei schönstem Wetter am Strand von Miami Beach. Am Mittwoch Vormittag habe ich mich bei brütender Hitze zu einer Apotheke gequält. Nie hätte ich damit gerechnet, dass nur wenige Stunden später ein paar dicke Wolken das Ende meiner bisher reibungslosen Reise durcheinander bringt.

Die Flüge 8 und 9 mit US Airways sollten mich nach sieben Wochen von Miami über Philadelphia zurück nach Frankfurt bringen. Beim Einchecken habe ich noch gefragt, ob die Übergangszeit von 75 Minuten ausreicht, wo fast so getan wurde, als ob meine Frage völlig überflüssig sei. Der Flieger hat das Gate zwar relativ pünktlich verlassen, stand dann aber rund 90 Minuten an der Startbahn, weil eine tief hängende Schlecht-Wetter-Wolke immer näher kam, die sich auch kräftig ausgeregnet hat. Beim Start erlaubte ich mir wieder die Frage, wie es denn mit meinem Anschluss um aussieht, der um 20.25 Uhr startet; ich hatte auch mitbekommen, dass einige andere auch nach Frankfurt wollten. Die Flugbegleiterin meinte nur, es wird eng und ich müsste schnell sein. Später meldeten sie, dass alle Verbindungen erreicht werden, jedoch interessierte niemanden, wer welchen Anschluss benötigt.

Nach der Landung sprangen schon sehr viele auf, obwohl das Flugzeug noch gar nicht endgültig zum Stehen gekommen war, was eine böse Durchsage des Piloten zur Folge hatte. Es war 20.23 Uhr.
Aus dem Flugzeug war ich schnell raus, weil mein Platz recht weit vorne war, daher eilte/rannte ich am sehr großen Flughafen von Philadelphia mal die große Distanz von Abschnitt D zu A. Der Ausgang, zu dem ich musste, war ausgerechnet am letzten Ende, doch alles war leer. Der Flieger war weg.

Wir mussten zurück zu einem Service-Schalter von US Airways, wo schon andere standen. Die drei Angestellten hatten alle Zeit der Welt, sodass wir einige Zeit warten mussten. Inzwischen hatte man uns einen Zettel mit einer markierten Verbindung für den folgenden Tag um 18.25 Uhr – ein Lufthansa-Flug – gegeben sowie einer Nummer über die man sich ein angeblich günstiges Hotel suchen kann. Alternativen, den Flughafen an diesem Abend zu verlassen, gab es nicht; auch der Flieger nach London war voll. Wir mussten also 22 Stunden warten. Seltsamerweise ist der Flieger nach Lissabon anscheinend nochmal zurück zum Gate gekommen, um die Anschlussreisenden aufzunehmen. Dass man auf uns, mindestens 12 an der Zahl, wartet, war wohl zu viel verlangt. Die Zeit hätte man leicht wieder eingeholt.

So habe ich die Nacht in einem unbequemen Schaukelstuhl auf dem Flughafen verbracht, bis ich gegen vier Uhr nicht mehr sitzen konnte. Kundenservice kennt man in den USA anscheinend nicht, denn auch die Läden, die zu der Zeit geöffnet haben, legten keinen Wert auf Kundschaft.

Damit die Zeit nicht endlos erscheint, bin ich kurz nach 9 Uhr mit dem Nahverkehrszug nach Philadelphia rein gefahren. Auf die vielen Filme, die hier gedreht worden sind, bin ich schon durch Filmplakate im Flughafen erinnert worden. Einer steht aber über allen und das ist Rocky. Mein erster Weg führte mich zum Philadelphia Museum of Art mit der großen Freitreppe, die Rocky Balboa bei der Vorbereitung auf seinen Kampf hinaufrennt. Gerannt bin ich mit meinem schweren Rucksack nur das letzte Stück, aber toll war das Gefühl auf jeden Fall, wie viele andere auch finden. Die Rocky-Statue steht leider nur an der Seite im Schatten unter Bäumen, sodass man sie anfangs fast gar nicht sieht.

Bei mehr als 30 Grad Hitze bin ich zurück zur City Hall gelaufen und von dort über die Market Street in den alten Teil der Stadt. Das, was ich gesehen habe, hat mir richtig gut gefallen; wesentlich besser als das wenig bietende Miami.

Am Flughafen war ich wieder gegen halb zwei, wo ich mit Schrecken erfahren habe, dass für uns nur Stand-By-Tickets vorhanden sind und wir erst gegen 18 Uhr erfahren, ob wir mitfliegen dürfen oder nicht. Erst werden nämlich alle Passagiere mit Lufthansa-Tickets bevorzugt. Alternativen gab es fast keine, weil die anderen Flüge nach Europa fast alle voll waren. Den drei Herrschaften am Service-Schalter von US Airways habe ich erstmal mitgeteilt, dass ihre Fluggesellschaft den schlechtesten Service hat. Ich habe es in freundlichem Ton gesagt, weil sie ja im Grunde auch nichts dafür können (so wie die armen Reiseberater der Bahn, die auch immer das Ventil für unzufriedene Kunden sind). Auf meine Frage nach Alternativen, falls ich nicht mitgenommen werde, bot man mir einen Flug mit US Airways über Zürich nach Frankfurt – zur gleichen Zeit – an, aber ich habe mich dann doch für das Risiko entschieden. Lufthansa war mir dann doch lieber und man sagte mir ja, dass die Chancen gut stünden.

Um 17.45 Uhr erhielten wir am Gate unsere Bordkarte. Das Gepäck sei auch sicher dabei, gab man mir zur Auskunft. Von da an war mir alles wurscht, auch, dass wir wegen schlechten Wetters mit fast 90 Minuten Verspätung starten mussten, die wir aber unterwegs wieder einholten (es geht doch). Im Flieger gab es erstmal ein Bier zum Anstoßen und Abendessen. Zum Schlafen kam ich eigentlich wieder nicht, weil ich beim ersten Versuch wach wurde, weil eine alte Dame direkt auf der Höhe meiner Sitzreihe das Bewusstsein verloren hat, was entsprechend für Unruhe, Hektik und natürlich neugierige Passagiere sorgte.

Als wir um 09.19 Uhr in Frankfurt angekommen bin, regnete es. Die letzte spannende Frage war, ob das Gepäck da ist oder nicht. Als ich am Gepäckband recht schnell nur noch mit den anderen Stand-By-Leuten stand, war bald klar, dass es wohl nicht funktioniert hatte. Ich habe meine Adresse hinterlassen und war froh, dass sich in diesem Fall die Lufthansa kümmert und ich nicht auf die US Airways angewiesen war. Auf dem Weg zum Parkhaus wurde ich sogar angerufen, weil mein Gepäck anscheinend doch da ist. Das von mindestens zweien war da, meines nicht. Jetzt wünsche ich meinem Trolley eine gute, baldige Heimreise, egal, wo es gerade liegt/steht/lehnt.

Gelernt habe ich den Unterschied zwischen günstigen Airlines mit schlechtem Service zu denen mit gutem Service bei höheren Preisen. Meine Erfahrung war jetzt leider, dass die US-Amerikaner oft keinen guten Service bieten, was mir das ältere Ehepaar aus der Nähe von Philadelphia bestätigte.

Es ist schön, wieder hier zu sein.


In und um Miami unterwegs
Dienstag, 25. Mai 2010, 0:40 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 3 ]

Gegen 09.30 Uhr habe ich bei der Budget-Station nahe des Flughafens von Miami meinen Mietwagen – ein Chevrolet mit weniger als 8.000 km – abgeholt. Meinen Plan, nach Key West zu fahren, habe ich verworfen, weil mir die Dame bei Budget sagte, dass ich einfach knapp vier Stunden bräuchte. Das ist zwar schade, aber ich will auch nicht die zwei Tage im Auto verbringen. Ich sollte mal mehr Zeit mitbringen. So bin ich gleich zur Everglades Alligator Farm am Rande des Everglades National Parks gefahren, was sich sehr gelohnt hat. Neben einer Bootsfahrt konnte man auch dem Füttern der Alligatoren sowie der Schlangen- und Alligatoren-Show beiwohnen.

Die Entfernungen sind hier wirklich extrem, wenn man das nicht gewohnt ist. Teilweise hat es mich richtig genervt. Von den Everglades bin ich über Downtown Miami nach Miami Beach gefahren. Den Strandbesuch habe ich auf morgen verschoben, weil es sich heute zeitlich nicht mehr gelohnt hätte. Leider konnte ich nicht mal einen Blick auf den Strand werfen, weil man ihn vom Ocean Drive aus nicht sehen kann.


Wieder unterwegs
Montag, 24. Mai 2010, 6:17 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Um 07.30 Uhr wurde ich heute wieder von meinem Privat-Taxi abgeholt und zum Flughafen von Lima gefahren. Den Weg dorthin habe ich diesmal ganz anders wahrgenommen als beim ersten Mal, wo ich einst einen Kulturschock erlitten habe. Bei den eigentlich sehr niedrigen Preisen in Peru ist es schon eine Sauerei, dass man vor dem Abflug noch 31 $ Flughafensteuer zahlen muss. Ich war darauf vorbereitet, daher habe ich auch das ertragen.

Der Flug nach San Jose (Costa Rica) war ohne besondere Vorkommnisse. Da ich beim Essen die Wahl hatte, habe ich mich statt dem Gockel Pasta genommen.

In San Jose sind wir bei Regen gelandet, der auch die ganzen vier Stunden, die ich dort warten musste, angehalten hat. Bei Papa John’s habe ich mich erstmal zu einer Pizza eingeladen.

Der Flug nach Miami war sehr kurzweilig, weil das Unterhaltungsprogramm im Flugzeug viele abwechslungsreiche Dokumentationen, wie z.B. zu den letzten Weltmeisterschaften, zu bieten hatte. Mein Trolley kam auch gut an, weil ich ihn in Lima in Folie habe einpacken lassen; gute Entscheidung. Hier angekommen, musste ich auch nicht lange auf den Hotel-Shuttle warten und das Zimmer hier im Courtyard By Marriott Miami Airport South – so der Name des Hotels – ist ein echter Kontrast zu dem Lebensstil, den ich die letzten Wochen führen durfte. Besonders toll ist der riesige Fernseher, den ich wahrscheinlich gar nicht so oft benutzen werde. Eine gute Nacht aus Miami.


Lima
Samstag, 22. Mai 2010, 17:56 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 3 ]

Ich bin jetzte seit Donnerstag in Lima und finde die Stadt gar nicht so schlimm wie alle sagen. Das Moloch, die Stadt mit rund 10 Millionen Einwohnern, in der kein Tourist länger als nötig bleiben will hat aber ganz viele Gesichter. Sicher, als ich vor sechs Wochen hier angekommen bin, hatte ich erstmal einen Kulturschock, weil ich sowas nicht kannte. Gestern habe ich mir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mal angesehen.

Um halb neun wurde ich von meinem privaten Taxi-Fahrer, den ich für 40 Soles vermittelt bekam, abgeholt und ins alte Lima, das Zentrum, gefahren.  Am Palacio de Torre Tagle ließ er mich kurz vor halb zehn raus und ich hatte bis zwölf Uhr Zeit, mir diesen Teil der Stadt anzuschauen. Von San Pedro bin ich zur Plaza Mayor, dort in die Kathedrale und dann zur Basilica San Francisco, wo die Führung schon alleine 50 Minuten gedauert hat. Kurz bin ich noch durch die Fußgängerzone und zum Grab der Santa Rosa de Lima beim Convento de Santo Domingo, dann war auch schon zwölf Uhr. Da ich mich mit dem Taxi-Fahrer bei der Iglesia Santa Rosa verabredet habe, gab er mir noch die zehn Minuten, damit ich auch das Geburtshaus derselben Heiligen mit dem Brunnen, in den sie einst den Schlüssel zum Keuschheitsgürtel geworfen hatte, sehen konnte.

Von da fuhren wir quer durch die Stadt zum modernen Stadtteil Miraflores. Dort stehen die Nobel-Hotels und alles sieht sehr europäisch aus. Eigentlich wollte ich dort in den Geschäften bummeln gehen, aber der Taxi-Fahrer, Fredi, wollte mich herumfahren. Na gut, er hat mir die wichtigsten Ort gezeigt, den Parque Kennedy mit dem Rathaus, den Parque del Amor an der Steilküste über dem Pazifik und die Shopping-Mall Larcormar. Von da sind wir weiter zum ebenfalls besseren Stadtteil Barranco gefahren; dort wollte ich die Puente de los Suspiros sehen. Da ich Hunger hatte, fuhr mich Fredi zurück nach Miraflores, wo ich mir bei Bembos ein Menü besorgt habe, das ich im Auto verzehrte. Fredi fuhr nämlich weiter in südlicher Richtung auf einen kleinen Berg mit Aussichtspunkt. Von da hatten wir die Aussicht über das Meer und die Stadt, jedoch nur stark eingeschränkt, weil Küstennebel und Smog keine Weitsicht zuließen. Hier gab es auch wieder die starken Gegensätze zwischen arm und reich zu sehen, denn direkt hinter einem Club mit Pool standen die Lehmhütten, die kurz vor dem Zusammenfallen warem.

Auf dem Rückweg nach Jesus Maria sind wir auf der Küstenstraße gefahren. Unterwegs hielt er auf meinen Wunsch hin an, damit ich mal ans Wasser gehen konnte, wo die Wellen ziemlich stark anschlugen. Kurz nach halb vier setzte mich Fredi wieder hier ab und ich zahlte die vereinbarten 40 Soles.

Da der Nachmittag noch nicht vorbei war, bin ich n0ch ein bisschen herumgelaufen und habe mir einige Läden angesehen. Über dem Metro-Markt, einem großen Supermarkt, gab es ein Kino, in dem gerade der neue Robin Hood-Film von Ridley Scott in mehreren Sälen lief. Da ich die zugehörige DVD schon in mehreren Läden gesehen hatte, nutzte ich die Gelegenheit und ging in die nächste Vorstellung. Im Vergleich zu unseren Kinos gab es keinen Unterschied außer im Preis (9,50 Soles – 1 EUR entspricht 4,31 Soles) und im nicht ausgespielten Abspann.

Heute werde ich nochmal die Läden hier in der Nachbarschaft ansehen und nachmittags steht bekanntlich das Champions-League-Finale auf dem Programm. Abends werde ich mein Gepäck richten, denn morgen werde ich schon um halb acht von Fredi zum Flughafen gefahren.

Das war dann wohl mein Peru-Aufenthalt und ich freue mich auf ein Wiedersehen.


Von Arequipa nach Lima
Freitag, 21. Mai 2010, 0:01 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Um 17.30 Uhr bin ich von der Tour zum Cañon de Colca in meinem Quartier angekommen, da musste ich schon meine Sachen zusammenpacken; die Einladung zu einer Pizza habe ich natürlich auch angenommen. Um 20.30 Uhr war ich am Terminal Terrapuerto, wo ich mein Gepäck abgeben musste und dem Bus nach Lima zustieg. Diesmal hatte ich bei Cruz del Sur gebucht, weil das eine der besten Busgesellschaften sein soll. Wie bisher habe ich mir wieder einen Platz ganz vorne ausgesucht und da es sich um einen Doppeldeckerbus handelte, hatte ich alles im Blick, soweit man nachts davon sprechen kann. Um 21 Uhr sollte es losgehen, zwei Minuten später rollten wir auch tatsächlich. Es ging von Arequipa hinab in Richtung Pazifik, war aber immer schwer, sich zu orientieren. Es gab wie im Flugzeug ein Abendessen; was es gab, muss ich erst gar nicht schreiben.

Irgendwann bin ich auch mal eingeschlafen. Gegen halb drei war ich mal wieder wach. Auf der Panamericana war nicht viel los, wie auf allen Straßen Perus, auf denen ich bisher unterwegs war. Wenn man bedenkt, welche Bedeutung die Durchgangsstraße hat, da muss ich sagen, dass die B8 nach Nürnberg spektakulärer ist, weil sich doch ziemlich lange vierspurig ist. Einmal kamen wir Lichtern näher, die am Straßenrand leuchteten. Als erstes dachte ich mal an die Blockaden, die es in den letzten Wochen auf diesem Abschnitt des öfteren gab. War aber nur ein Pannenfahrzeug. Einige Kilometer später kamen wieder Lichter, die sich auch noch bewegten. Und der Bus fuhr auch noch rechts ran. Da erkannte ich, dass da ein Bus von Cruz del Sur stand, der offensichtlich eine Panne hatte. Mitten in der Nacht wechselten die Passagiere in unseren Bus und das Personal lud das Gepäck um. Nach 20 Minuten fuhren wir weiter und hielten nur noch in Nasca. Ab da ging auch die Sonne auf und ich konnte endlich mal was von der Strecke sehen. Aufregend war sie nicht, weil es meistens durch die Wüste ging. Am Pazifik entlang fuhren wir nur teilweise; schöne Strände gab es auch nicht zu sehen. Zum Frühstück gab es ein belegtes Brötchen und ein Stück Kuchen. Die letzten ca. 150 Kilometer wurde die Panamericana bis Lima sogar vierspurig, sodass wir nicht dauernd überholen mussten. Statt 12 Uhr kamen wir kurz nach 12.30 Uhr an, was bei der langen Fahrzeit nicht der Rede wert ist. Die Fahrt war auch okay und ich bin froh, dass ich mich für diese, gleichzeitig preiswertere Variante entschieden habe.

Lima hat mich wieder und ich bin da, wo vor knapp sechs Wochen meine Peru-Reise begonnen hat. Bis Sonntag wohne ich hier in einem Kloster im Distrikt Jesus Maria. Morgen werde ich mir die wenigen Sehenswürdigkeiten anschauen.


Cañon de Colca
Donnerstag, 20. Mai 2010, 23:31 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 1 ]

Dienstag und Mittwoch war ich im Valle de Colca unterwegs. Gegen acht Uhr morgens sollte ich am Reisebüro sein, um dort dem Bus zuzusteigen. Da dieser natürlich wieder Verspätung hatte, durfte ich in der Zeit im Internet surfen.

Nach mehr als einer halben Stunde kam der Kleinbus, in dem schon vier andere Deutsche, ein Peruaner und einer aus Mauritius saßen. Schließlich stieg noch ein peruanisches Ehepaar zu, die der wohlhabenden Schicht anzugehören schienen. Bevor wir Arequipa hinter uns ließen, hielten wir noch zweimal; das erste Mal, um die letzte Gelegenheit zu nutzen, Getränke oder Coca-Blätter zu kaufen, das zweite Mal, um die drei Vulkane, die Arequipa umgeben, zu bewundern.

Wir fuhren wieder die Straße hinauf, über die ich erst am Sonntag von Puno gekommen bin. In der Hochebene der Pampa Canahuas hielten wir bei rund 3800 m an, um einige Vicuñas in freier Laufbahn zu sehen. Dann verließen wir die Straße und es ging sehr lange auf einer holprigen, unbefestigten Straße hinein in die Einöde. Unterwegs gab es wieder einige Haltepunkte, für Pinkel- und Mate de Coca-Pausen, um Alpakas zu betrachten oder um Fotos zu machen. Lustig war der peruanische Vaddi mit seiner Kamera um den Hals. Der hat nämlich die beiden Tage immer ganz wild losfotografiert, aus dem Bus hinaus. Zur Mittagszeit sind wir dann endlich in Chivay, dem größten Ort im Colca-Tal, angekommen, wo wir auch zu Mittag aßen – wieder Buffet. Danach wurden wir zu  unseren Hotels gebracht, wo wir Zeit hatten, uns auszuruhen. Um 16.30 Uhr wurde ich wieder abgeholt und zu den Baños Termales La Calera gefahren, die rund vier Kilometer außerhalb von Chivay liegen. Die Sonnenmilch hätte ich mir sparen können, weil die Sonne da gerade schon hinter den Bergen versank. Jetzt muss man sich mal vorstellen, wie frisch das auf rund 3600 m ist, wenn man aus 38º warem Thermalwasser man eben das Becken wechselt. Die Thermalbäder sind sehr schön angelegt. An jedem Becken gibt es ein paar Umkleiden und Duschen und ein Angestellter verteilt Schlüssel für die Schließfächer. Für 10 Soles war das wirklich eine angenehme Sache. Abends hätte ich noch die Möglichkeit gehabt, in irgendeinem Restaurant traditionelle Tänze zu erleben, aber da ich den Ablauf vom Lago Titicaca kannte, verzichtete ich auf die Veranstaltung, womit ich Recht hatte, wie ich am nächsten Tag von den anderen erfuhr.

Die Nacht endete bald mit dem Frühstück um halb sechs. Um 6 Uhr wurde ich schon abgeholt, damit wir rechtzeitig am Cañon de Colca ankommen, um die Condore zu sehen. Wir alle waren pünktlich, musste nur noch das peruanische Ehepaar abholen, die als einzige in der sehr teueren Colca Lodge residieren mussten. Die Anfahrt dauerte schon mehr als 20 Minuten. Unsere Führerin hatte uns noch angeboten, in Yanque an der Plaza de Armas zu warten, aber aufgrund der morgendlichen Kälte lehnten wir ab; neugierig waren wir natürlich auch, weil wir wussten, um was es sich bei der Nobelanlage handelt. Dort angekommen war von den beiden noch nichts zu sehen. Regelmäßig kamen andere Herrschaften höheren Alters, die alle ihr Gepäck von einem Angestellten der Anlage hinterher getragen bekamen. Wir warteten bestimmt fast eine halbe Stunde und von den beiden kam nur mal der Koffer auf dem Rücken eines Packesels an. Irgendwann erschien dann Vaddi, aber anstatt sich zu beeilen, machte er nur wieder einige seiner seltsamen Fotos. Als die beiden in den Bus einstiegen, wo wir die ganze Zeit am Lästern waren, begrüßte ich sie mit Buenos dias. Ausgeschlafen? Jetzt mussten wir den ganzen Weg zurück, dann blieb der Bus auch noch auf einer Schotterstraße mit ziemlich großen Steinen stecken… Ja, nach rund 90 Minuten mit weiteren Zwischenstopps erreichten wir endlich das Cruz del Condor, wo man bei Sonnenaufgang einige der rund 35 dort lebenden Condore gleiten sehen kann. Ein paar Minuten hat es gedauert – und es waren schon genug andere wartende Reisegruppen da – da kamen dann auch immer mehr der riesigen Vögel, die ihre Kreise zogen. Nach 45 Minuten Condor-Schauen sind wir eine gute Stunde am Cañon de Colca entlang gelaufen; der Cañon ist übrigens mit bis zu 3400 m Tiefe wesentlich tiefer als der Grand Canyon.

Gegen Mittag waren wir wieder in Chivay, wo wir an einem anderen Buffet futterten. Um 14 Uhr fuhren wir zurück nach Arequipa, wo wir ohne Zwischenstopp um 17 Uhr ankamen.


Arequipa
Montag, 17. Mai 2010, 23:38 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 4 ]

Arequipa, die zweitgrößte Stadt Perus, liegt ca. 1000 km südlich von Lima auf 2335 m am Fuß des Vulkans Misti (5822 m) und zählt schon mehr als eine Million Einwohner. Als wäre ein Vulkan nicht genug, nein, gleich zwei weitere Vulkane kreisen die Stadt ein, der Chachani (6057 m) und der Pichu Pichu (5571 m). Die Vulkane – zurückzuführen auf die Nazca-Platte, die sich vor dem Festland unter die südamerikanische Platte schiebt – und ein weiterer nahegelegener Graben (ich habe den Namen vergessen) sind die Ursache dafür, dass hier im Jahr mehr als zweitausendmal die Erde wackelt. Mal sehen bzw. spüren, ob ich das in den wenigen Tagen hier auch mal erlebe; nur so ein bisschen mal, mehr muss ja nicht sein. Arequipa wird auch die weiße Stadt genannt, weil viele Gebäude im Stadtzentrum aus dem hellen Tuffgestein gebaut sind.

Ich bin heute schon den ganzen Tag auf den Beinen und habe mich zunächst um die Buchung der Tour zum Cañon de Colca gekümmert. Dazu bin ich in das Reisebüro Gölz & Miedl gegangen, wo ich von einem freundlichen Westfalen bedient wurde. Auf der Deutschlandkarte, wo sich alle deutschen Kunden verewigen dürfen, habe ich zum Abschluss noch eine Nadel auf Würzburg gesteckt; ich war nicht der erste.

Eine der Hauptattraktionen Arequipas ist das Kloster Santa Catalina, das einen ganzen Straßenzug einnimmt; ein kleines Dorf innerhalb der hohen Mauer. Für die Besichtigung gingendoch glatt zwei Stunden drauf. Dafür war es wirklich sehr interessant.

Spontan habe ich ich mich auch dazu entschieden, dass ich am Donnerstag nicht das Flugzeug, sondern den günstigeren Bus nach Lima nehme. Ein bisschen muss ich nun doch auf den Geldbeutel achten.


Von Puno nach Arequipa
Montag, 17. Mai 2010, 23:12 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
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Beim Buchen dachte ich, 10 Uhr ist eine gute Zeit, dann komme ich gegen 15 Uhr in Arequipa an. Die drei Frauen am Stand von Sur Oriente, einer Busgesellschaft, schrien zumindest so, als sei ihr Unternehmen das beste.

Mit 55 Minuten Verspätung sind wir schon mal abgefahren, weil die Penner alle Zeit der Welt hatten. Der Bus sah auch eigentlich gar nicht so toll aus wie auf dem Plakat über dem Verkaufsstand, sondern abgenutzt. Ich wollte mich ja auch nicht beschweren bei einem Preis von 15 Soles. Zunächst fuhren wir wieder bis nach Juliaca, die immer noch sehr abschreckende Stadt. Dort hatten wir wieder einen sehr langen Aufenthalt, sodass ich langsam genervt war, weil es nicht so angenehm ist, wenn die Sonne herunterbrennt.

Von Juliaca (3822 m) ging es weiter hinauf, vorbei an der Laguna Lagunillas auf eine weite karge Hochebene bis über 4500 m. Ab der zweiten Hälfte der Strecke sieht man schon bald das Chachani-Massiv (6075 m) und den Vulkan Misti (5822 m). Fast die ganze Strecke ist unbewohnt, daher war ich umso verwunderter, als der Bus mitten in der Einöde anhielt. Sofort sprangen auch einige aus und ich erkannte schnell, dass es sich um eine Pinkelpause handelte. Ob das Klo schon randvoll war, wollte ich gar nicht wissen. Frauen und Männer, alt und jung, eilten hinaus und verrichteten ihr kleines Geschäft. Während sich die Männer einfach in die Landschaft stellten, versteckten sich ein paar Frauen hinter den vier großen Steinen, die da herumlagen. Eine andere hockte sich mit ihrem großen Rock vor den Bus; die Szene erinnerte mich sehr an die Blechtrommel. Tja, da ich in der ersten Reihe saß, wusste ich gar nicht mehr, wo ich hinschauen sollte. Da ich im Bus so ziemlich der einzige Nicht-Peruaner war, war ich auch der einzige, der diesen Halt außergewöhnlich fand. Wenig später überholten wir einen anderen Bus bei der gleichen Angelegenheit.

Durch Stein- und Kakteenlandschaften kamen wir dem Ziel endlich näher. Es war wirklich beeindruckend, wie Arequipa plötzlich unter uns lag und wir hinunter in die Senke fuhren. Kurz nach 17 Uhr kamen wir endlich am Terminal Terrestre an, von wo ich mit dem Taxi schnell zu meinem Quartier, einem Kloster, fuhr. Freundlicherweise hatte die Pfarrjugend nach dem Abendgottesdienst den Grill angeschmissen und Fleischspieße gegrillt. Beim Abendessen erwarteten mich noch andere gute Sachen, aber ich hielt mich zurück, auch wenn ich alles hätte in mich hineinfressen können.


Lago Titicaca
Samstag, 15. Mai 2010, 23:44 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
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Gestern bin früh um 07.45 Uhr von einem Kleinbus an meinem Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht worden; auf dem Weg dorthin füllte sich der Bus mit dem Rest der Reisegruppe, die mich in den vergangenen Tagen begleitete.

Am Hafen mussten/sollten wir noch ein Geschenk für die Gastfamilie besorgen; üblicherweise sind das Lebensmittel. Ich habe mich spontan für – Ihr werdet lachen – Reis entschieden und dazu ein paar Äpfel. Als so ziemlich jeder mit einer gelben Plastiktüte mit Geschenken bestückt war, kletterten wir über zwei andere Boote zu unserer kleinen Barkasse, die nicht mehr als 22 Sitzplätze hatte. Spätestens da wusste ich, dass es eine kluge Entscheidung war, das Gepäck im Hotel zu lassen.

Der Lago Titicaca liegt auf 3809 m und ist 15 mal größer als der Bodensee. Zu unserem ersten Ziel mussten wir jedoch nur eine halbe Stunde fahren, den Islas Flotantes. Die schwimmenden Inseln der Uro-Nachfahren sind Schilfinseln, die auf dem See treiben. Von diesen Schilfinseln gibt es ca. 40 Stück, auf denen rund 2000 Menschen leben. Wir hielten an einer Insel und es war schon komisch, auf den Schilfboden zu steigen. Auf der Insel standen etwa 8-10 Hütten, die im Halbkreis angeordnet waren. Während wir über die Uros und die Bauweise der Inseln aufgeklärt wurden, packten die wenigen Bewohner ihre Waren aus, die sie später verkaufen wollten. Wir bekamen alle ein Schilrohr, von dem wir alle das untere Stück verspeisten. Eine Uro-Frau servierte uns sogar ein kleines Gebäck dazu. Dann schnappten sich jeder Bewohner einen von uns und führte uns in die Hütten. Zu meiner großen Freude durfte ich dort ein Hemd anziehen und damit zum Verkaufsstand folgen. Damit sie zufrieden war, hab ich ihr ein Anden-Kreuz abgekauft. Laut meinem Führer wohnt nur die Hälfte der Menschen dort auf den Inseln, der Rest fährt wohl am Abend wieder zum Festland. In etwa kann man die Inseln mit Selb vergleichen. Die jungen wollen dort nicht mehr wohnen bleiben und machen die Fliege, sobald sie alt genug sind. Im Grenzgebiet liegen die Inseln, weit weg vom Schuss und es ist nichts los. Der Unterschied liegt darin, dass die Besucher freiwillig kommen, jedoch nach einer halben Stunde wieder abreisen.

Wir fuhren mehr als zweieinhalb Stunden weiter in den See hinein zur Insel Amantani, wo wir auch nächtigen sollten. Hotels gibt es da nicht, daher schläft man in Gastfamilien. Als wir das Boot verlassen haben, warteten schon einige Einheimische, um Gäste entgegen zu nehmen. Auch wenn ich mit einem Einzelzimmer gerechnet hatte, kam es schnell anders. Ruckzuck lief ich mit zwei Mädels aus Frankreich und Israel hinter einem einheimischen Mädchen her, die uns zum Haus ihrer Eltern und in unser kleines Dreibettzimmer führte. Das Haus und die Familie war wesentlich einfacher als meine Gastfamilie in Cusco. Gleich nach der Ankunft bekamen wir unser Mittagessen. Die Küche war eine für Peru übliche Lehmhütte, wo die Mama auf dem Boden kochte.

Um 16 Uhr trafen wir uns am Hauptplatz des Dorfes, von dem wir gemeinsam bergauf liefen. Ich dachte noch, als ich die beiden Gipfel sah, dass ich da jetzt nicht unbedingt raufsteigen würde, aber wir sind es tatsächlich. Oben angekommen wurden wir mit einem schönen Sonnenuntergang belohnt. Müde und erschöpft waren wir alle; kalt war und windig war es zudem. Wie an allen scheinbar entlegenen Orten in Peru, saßen auch hier wieder die Frauen mit ihren Waren. Ich musste zweimal hinschauen, da lagen Twix-Riegel. Da ich Hunger hatte, fragte ich doch mal. 5 Soles. Nee, dachte ich mir, weil das für peruanische Verhältnisse ja wirklich nicht billig war. Bestimmt viermal lief ich daran vorbei, bis ich doch wieder hin zu ihr bin. Handeln war in diesem Fall nicht möglich, dafür hat mir ein Twix-Riegel noch nie so gut geschmeckt wie der gestern; durch die Höhe war er natürlich auch gut durchgekühlt.
Nach dem Abstieg sind wir wieder in unsere Familie, wo wir unser Abendessen einnahmen. Der Tag war damit noch nicht vorbei, denn um 20 Uhr gab es eine Fiesta (die gibt es jeden Tag für alle Gäste). Dafür erhielten wir von unserer Familie traditionelle Klamotten, mit denen wir wieder zur Plaza Mayor gingen – mit der Familie. Dort war – verbunden mit einem Laden – ein sehr schlichter Raum, in dem fünf Jugendliche musizierten, zu deren Musik dann getanzt wurde. Nach weniger als zwei Stunden war die Veranstaltung vorbei und wir fielen müde in unsere Betten.

Heute früh um sieben gab es Frühstück und anschließend wurden wir zur Bootsanlegestelle gebracht, wo wir um acht Uhr zur nächsten Insel, die Isla Taquile, aufbrachen. Wir legten an der Westseite der Insel an und liefen parallel zum Ufer immer leicht berauf bis zur Plaza de Armas des Dorfes. Nach einer Fotopause gingen wir weiter bis zu einem kleinen Restaurant, wo wir unser Mittagessen bekamen. Es gab nur die Auswahl zwischen Omelette und Trucha (Forelle), daher entschied ich mich für Trucha, gebacken, was wirklich sehr gut war. Anschließend liefen wir wieder bergab zum Südufer, wo unser Boot auf uns wartete.

Das mittlere Drittel der mehr als dreistüdigen Rückfahrt nach Puno glich mehr einer Schaukelfahrt. Es gab einen ziemlich starken Wellengang, wodurch das Boot ziemlich kräftig herumgeschaukelt wurde. Für einen schwache Magen wäre das ein Albtraum gewesen.

In Puno angekommen, wurden wir wieder zu unserem Hotel gefahren. Da genau während der Rückfahrt das DFB-Pokal-Finale stattfand, wusste ich nicht, was mich erwartet. Gleich nach der Ankunft bin ich ins Internet und habe mit Freuden erfahren, dass der FC Bayern den zweiten Titel geholt hat.

Die zwei Tage auf dem Lago Titicaca waren wirklich sehr beeindruckend. Allein die Landschaft, die Ruhe (ohne Autos), die vielen Farben und die Erfahrung in der Familie sind diese Reise wert. Machu Picchu ist natürlich ein Muss, aber mehr geboten wurde mir hier garantiert und so überlaufen war es auch nicht, weil viele wahrscheinlich nur einen Tagesfahrt unternehmen.

Morgen fahre ich weiter nach Arequipa.


Reise zum Lago Titicaca
Donnerstag, 13. Mai 2010, 22:16 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
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Pünktlich um sieben Uhr habe ich heute früh die Sprachschule verlassen, bin mit meinem ganzen Gepäck im Slalom zwischen Hundehaufen zur Plaza de Armas geeiert, von wo ich mit dem Taxi zum Terminal Terrestre gefahren bin. Es wirkt fast so, als würden die Peruaner wert auf Pünktlichkeit legen, weil man sowohl beim Zug als auch bei den Bussen eine halbe Stunde vorher da sein muss. Um acht Uhr sollte der Bus schon fahren, kam aber erst nach acht Uhr an. So habe ich lange umsonst herumgestanden, während die Sonne brannte und Meerschweinchenkartons an mir vorbeigetragen wurden.

Um 08.19 Uhr fuhren der Bus – also der Fahrer mit dem Bus – los und ich ließ Cusco hinter mir; das Feedback kommt noch. Die Strecke in Richtung Puno ist landschaftlich wirklich beeindruckend und ich konnte gar nicht genug sehen. Nochmal war ic froh, nicht den Nachtbus wie so ziemlich alle in der Schule, sondern den Bus tagsüber genommen zu haben. Am höchsten Punkt der Strecke – auf 4338 m – hielt der Bus an, um die dünne Luft zu schnuppern, die Beine zu vertreten und das Klo aufzusuchen. Ich entschied mich für die ersten beiden Varianten. Nach einer Viertelstunde ging es weiter über die auffallend leere Straße, die teilweise kilometerlang geradeaus verläuft und nur mal kurvig wirkt, wenn der Fahrer den vielen tiefen Schlaglöchern ausweichen musste. Lustig waren die Hunde, die immer wieder wie Bettvorleger auf der Straße klebten.

Ca. 50 km vor Puno hat der Bus in Juliaca, der mit Abstand hässlichsten Stadt Perus, die ich bisher gesehen habe, gehalten. Ich habe mich wirklich gefragt, wie an da freiwillig aussteigen kann. Gegen 15 Uhr erreichten wir von der Höhe aus Puno und sahen den Lago Titicaca vor uns liegen.

Als ich mein Gepäck hatte, habe ich mich erst um das Ticket nach Arequipa gekümmert. Am Sonntag um 10 Uhr fand ich eine sehr angenehme Zeit, nachdem die anderen alle am späten Nachmittag oder nachts abfahren. Mit dem nächstbesten Taxi bin ich zum Hostal Los Uros, das ich aus dem Reiseführer kannte. Für 25 Soles die Nacht – der Taxifahrer wollte mich gerne zu einem Hostal für 45 Soles die Nacht fahren – kann ich nicht viel falsch machen und das Zimmer ist in Ordnung; ein eigenes Bad habe ich auch. Meine Tour auf dem Lago Titicaca konnte ich auch gleich im Hostal buchen; morgen um 07.45 Uhr werde ich am Hostal abgeholt. Nun weiß ich jedoch, dass ich das DFB-Pokal-Finale nicht sehen kann. Schade.


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