Sinnbild Nationalmannschaft

Auweia, was für ein blamables Abschneiden unserer Nationalmannschaft bei der Fußball-WM, einmal mehr, als wären das Vorrundenaus in Russland und Katar nicht schon schlimm genug gewesen. Aber: es ist auch ein Spiegelbild für den Zustand unseres Landes, seit Jahren. Seit 2014. Mindestens! 100% Mittelmaß, aber sich selbst in anderen Sphären sehen.

Screenshot: X-Account des Bundeskanzlers (Foto aus Urheberrechtsgründen verfremdet)

Und dann noch ein fast surreal-realitätsfremder X-Beitrag unseres Bundeskanzlers. Welcher Einsatz? Welcher Teamgeist? Wer war gestern, wer war bei dieser WM und schon vorher stolz auf diese Mannschaft? Welches Spiel hat er gesehen?

Aber vielleicht ist es genau diese Realitätsverweigerung, diese Realitätsblindheit und diese absurde Schönfärberei, die unser Land seit über einem Jahrzehnt prägt und „Wir schaffen das!“ tagtäglich auf erschreckende Weise veranschaulicht: Durchwurschteln, ein mäßiges bis hundsmiserables Resultat erreichen und dieses dann euphorisch mit vielen blumigen Worten schönreden. Der Gegentreffer nach acht Minuten gegen Curaçao offenbarte schlimme Lücken in der Abwehr, die Spiele gegen Elfenbeinküste und Ecuador waren schlecht, gestern dann ein erbärmlicher Auftritt gegen ein mittelmäßiges Paraguay.

Warum ich das Beitragsbild mit „Shitbürgertum“ aus dem Urlaub gewählt habe? Welt-Herausgeber Ulf Poschardt, dessen biestig-süffisante Analysen und Kommentare ich sehr gerne lese bzw. anschaue, hat heute in seinem Reel eigentlich genau diesen Vergleich angestrengt, den ich auch schon den ganzen Tag im Sinn hat: Niemand hat mehr Angst vor oder Respekt vor Deutschland, als Land sind wir inzwischen eine weltweite Lachnummer, genauso wie die deutsche Nationalmannschaft:
Die deutsche Energiewende? Eine totale Lachnummer, die uns immer wieder als Vorbild für die ganze Welt angepriesen wurde. Und wird! Atomkraftwerke weg, Kohlestrom weg, und dann brauchen wir Strom aus dem Ausland, um durch den Winter zu kommen. Unsere Wirtschaft schlägt Alarm und bleibt ungehört, die einen gehen pleite, die anderen ins Ausland. Preistreiberei durch völlig irrationalen Klima-Alarmismus, so dass Menschen mit immer höheren Preisen zu kämpfen haben. Die Autoindustrie samt Zulieferern ohne Not massiv beschädigt, so dass unzählige Arbeitsplätze in Gefahr sind. Und dann noch eine belehrende und anmaßende Außenpolitik, wo der deutsche Außenminister mal kriechend mal feministisch, aber immer mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Eine Einwanderungspolitik, die beispiellos schlecht ist, und ein ganzes Land in Schieflage gebracht hat, ohne dass es einer zugeben kann. Es könnte ja den Rechtsaußen-Hetzern in die Karte spielen.

Und die Nationalelf? Das Leistungsprinzip wird zwar gerne betont, dann aber trotzdem ausgehebelt. Mal durfte Podolski im Spätherbst seiner Blüte mit, dann wurden Sané oder Rüdiger berufen, obwohl Leistung bzw. Verhalten mehr als fragwürdig waren. In Katar stand Feser mit ihrer dämlichen Regenbogenbinde auf der Tribüne und die Nationalspieler hielten sich den Mund zu, weil es wichtiger war, irgendwelche Zeichen zu setzen. Erst scheiterten Löw und Flick, jetzt Nagelsmann. Das Abschneiden wurde schöngeredet, es gab für alles Gründe, die wortreich dargelegt wurden. Kritik am Bundestrainer? Ein Sakrileg. Und Teamgeist? War es nicht Goretzka, der diese Mund-zu-Aktion angezettelt hatte? Gratismut war das. Gestern hätte er Eier gebraucht, da hat er im Elfmeterschießen genkniffen.

Und wenn ich mit Merz und Poschardt anfange, höre ich mit den beiden auch auf. Im „Shitbürgertum“ nahm sich Poschardt das links-grüne Milieu sehr bissig und zynisch vor, eine herrliche Gesellschaftsanalyse. Am Wochenende habe ich mir sein neues Buch „Bückbürgertum“ gekauft, in dem er sich die Konservativen – oder das, was davon übrig ist – vornimmt, zu denen auch Merz und die Union gehören. Sich schonungslos der Realität zu stellen würde uns allen mal wieder gut tun, nicht rumzuschwafeln, rumzusülzen, viel und doch nichts zu sagen und leere Phrasen zu dreschen. Da werden die größten Probleme weggeredet, weil die nächste Regierung kläglich daran scheitert, einfach mal wieder anzupacken und auch die Drecksarbeit selbst zu erledigen.

Von daher ist es vielleicht soagr gut, dass wir schon gestern gegen Paraguay ausgeschieden sind und nicht erst am Samstag gegen Frankreich. Ohne die skandalöse Fehlentscheidung hätte es gestern nach Abpfiff wieder „dreckiger Sieg“ und „Kraftleistung“ geheißen und Frankreich wäre uns einfach nur in allen Belangen überlegen gewesen. So besteht die klitzekleine Chance auf eine schonungslose Aufarbeitung, wenigstens im Fußball. Der Rest vom Land verschließt die Augen vor linken und islamistischen Extremisten, weil es leichter ist, immer nur auf die AfD zu zeigen. Es ist gespenstisch, wie auch die Union völlig zahnlos in einer Regierung agiert, wo die Rettung der SPD offenbar oberste Priorität hat. Das Land ist egal.

Das musste mal raus. Und Norwegen hat gerade gezeigt, wie man gegen Elfenbeinküste ein tolles Spiel macht.

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Von Alex

Einst habe ich an der Universität in Würzburg studiert, jetzt bin ich Lehrer. Mein Lieblingszitat stammt aus dem grandiosen österreichischen Film Poppitz: „Dänkn däaf mass, soogn liaba neet“ – schließlich sind zumindest die Gedanken frei – wer es nicht verstanden hat: „Denken darf man es, sagen besser nicht“