Feiertagsfestzugsspektakel

Meine kurze journalistische Karriere beim „Julius“, der einstigen Hochschulzeitung der Uni Würzburg, bescherte mir manches Thema, mit dem ich mich überhaupt nicht ausgekannt habe. Höhepunkt – oder Tiefpunkt, wie man es nimmt – war sicherlich mein Interview mit einem Virologen, der mir viel über Pandemien in böhmischen Dörfern erzählte, von denen ich so gar nichts verstand, weil der Virologe eben sehr viel Fachsprache verwendete. Zu viel für den Theologie- und Germanistikstudenten. Also musste ich mühsam zusammenrecherchieren und nachforschen, was mir da erzählt wurde. Hilfe bekam ich zudem vom Chefredakteur, Suchmaschinen mit den Erfolgsaussichten von heute gab es da noch nicht.

Blöd, wenn man keinen blassen Schimmer von dem hat, worüber man schreibt, aber trotzdem schreibt und trotzdem veröffentlicht, genau das war heute in der Mainpost zu beobachten, wo die an dieser Stelle schon „Luftnummernbeauftragte“ genannte Mitarbeiterin ihren eigenen Beitrag nur noch verschlimmbesserte, nachdem sie auf dämliche und unwissende und unbeholfene Ausdrücke mehrfach in den Kommentaren hingewiesen worden ist.

Screenshot: Mainpost.de

So wurde aus dem Festzug ein Fest mit Zug und ein Feiertagszug, die totale Unbeholfenheit schreit förmlich aus jeder Formulierung in diesem Beitrag, nicht nur bezüglich der drei genannten Fehlgriffe. Die gute Frau hat augenscheinlich keinen blassen Schimmer davon, was wir Katholiken an Fronleichnam feiern, ein bisschen Google hätte ihr da sicher geholfen, einen der Gottesdienst- oder Prozessionsteilnehmer – Teilnehmende kann sie ja brav gendern – zu fragen, sicherlich auch. Das Bistum Köln erklärt das Fest auf seiner Seite so verständlich, dass auch Laien – und völlig Unbedarfte, aber Interessierte – leicht einen Zugang dazu finden. Wir feiern quasi Gründonnerstag nach, die Einsetzung der Eucharistie, was an den Kartagen zu kurz kommt. Und das feiern wir eben mit einer Prozession, bei der das Allerheiligste in der Monstranz feierlich durch die Straße getragen wird. Und eine Prozession ist eine Prozession. Der Festzug ist zu Beginn des Kilianifestes, die Übertragung der Gebeine in den Dom wiederum ist eine Prozession. Die hilflose Suche nach einem Synonym zur „Prozession“ hat mich wirklich laut lachen lassen, die Nachbesserungen noch mehr.

Screenshot: Mainpost.de

Wenn man dann in den Bildunterschriften der Fotostrecken zu allem Überfluss noch vom „kirchlichen Spektakel“ schreibt, zeigt man endgültig seine Ignoranz gegenüber den Bräuchen der katholischen Kirche, wenn man dieses als Spektakel abtut, weil es offenbar nur als weiteres beliebiges Event gesehen wird, wie es die anderen dümmlichen Social-Media-Veranstaltungen sind, über die sonst berichtet wird: ein Puddingessen beispielsweise. Allzu weit ist da der Horizont nicht, Respekt vor einem wichtigen und beeindruckenden Brauch unserer Kirche läse sich anders.

Von Alex

Einst habe ich an der Universität in Würzburg studiert, jetzt bin ich Lehrer. Mein Lieblingszitat stammt aus dem grandiosen österreichischen Film Poppitz: „Dänkn däaf mass, soogn liaba neet“ – schließlich sind zumindest die Gedanken frei – wer es nicht verstanden hat: „Denken darf man es, sagen besser nicht“