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Blogroll die 2te
Rückblick
Dienstag, 29. Juni 2010, 16:12 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 4 ]

Mehr als vier Wochen bin ich schon wieder in der Heimat und  in der Zeit wurde ich immer wieder nach einem Gesamturteil über meine Reise gefragt und ob ich das nochmal machen würde. Ich habe mir sowieso schon länger vorgenommen, die positiven und negativen Seiten gegenüber zu stellen, die ich auch dem Veranstalter mitteilen werde.

Die Kritikpunkte betreffen in erster Linie die Schule, die Partnerorganisation von TravelWorks. Etwas unflexibel habe ich es z.B. empfunden, als ich am Ende der Woche bei der Gastfamilie gefragt habe, ob ich nicht weiterhin dort wohnen könnte. Auf die Idee wäre ich selbst gar nicht gekommen, wenn mir das die Gastmutter nicht angeboten hätte. Es hing wohl wiedermal am Geld, das die Schule der Familie hätte zahlen müssen. Die Übernachtung in der Schule ist auch nicht gerade billig und hatte schon im Voraus dafür gezahlt. Bei – wie ich hörte – 21 $ am Tag (unter peruanischen Verhältnissen) hätte ich in einem einfachen Hostal bestimmt besser gelebt. Für diesen Betrag war ich in einem kleinen Doppelzimmer untergebracht und erhielt Frühstück und Mittagessen. Mein Zimmer lag leider direkt an der Terrasse, wo sich alle versammelten. Besonders schön war es, wenn man morgens – oder egal zu welcher Tageszeit – aus dem Zimmer kam und von allen angestiert wurde. Auch wenn man positiv anmerken könnte, dass jeden Samstag das Bett frisch “bezogen” wurde, war es dann trotzdem nicht besonders frisch. Von Beziehen kann man auch nicht gerade sprechen, weil es in Peru keine Überzüge wie bei uns gibt. Stattdessen befindet sich zwischen dem Schlafenden und der zentnerschweren Alpakadecke, die nicht gewechselt wird, lediglich ein einfaches Betttuch, das morgens auch des öfteren verschoben war. Jene Betttücher wurden auch nur durch ein Wasserbad gereinigt nass gemacht. Die sanitäre Einrichtung war auch nicht gerade im grünen Bereich. Auf Anfrage sagte man mir zwar, dass die Toiletten/Duschen täglich gereinigt werden würden, ich bin mir aber sehr sicher, dass das nicht immer so war, gerade weil ich durch mein Projekt immer einer der ersten auf den Beinen war. Ein häufiges Ärgernis waren die Duschen selbst. Am Wasserhahn war es ja eigentlich normal, dass nur kaltes Wasser herauskommt (besonders unangenehm beim Rasieren), aber bei den nächtlichen Temperaturen im Zimmer und im Freien wär es doch wirklich schön gewesen, wenn aus der Dusche regelmäßig warmes Wasser gekommen wäre. Nachts wurde das Warmwasser abgestellt – aus Umweltgründen – und so passierte es, dass früh entweder vergessen wurde, die Warmwasserzufuhr wieder anzukurbeln oder es blieb einfach so kalt.

Über manche Mitstudenten habe ich ja schon manchmal meine Meinung durchklingen lassen. Die Holländer waren eindeutig in der Mehrheit (die Gründerin der Schule ist Holländerin) und daher war es wirklich nervig, dass man in jeder Ecke die holländische Sprache vernehmen musste. Die restlichen Unterhaltungen wurden auf Englisch geführt. Auch wenn in der ganzen Sprachschule Plakate mit dem Hinweis hängen, dass man hier Spanisch spricht, hat sich niemand daran gehalten. Somit musste ich mir immer andere Gelegenheiten suchen, wo ich mein ohnehin nicht so gutes Spanisch praktizieren konnte.

Was das Projekt im Kindergarten betrifft, bereue ich die Entscheidung keinesfalls, jedoch hatte ich immer den Eindruck, dass man dort nicht unbedingt auf Helfer angewiesen ist. Es glich eher einem Praktikum, in dem man die meiste Zeit zuschaut und gelegentlich den Erzieherinnen unter die Arme greift (das ist nicht wörtlich gemeint). Die Projekte profitieren hauptsächlich von den Geldern, die sie von den Projektvermittlern, wie hier die Sprachschule, erhalten.

Die Schule verfügt über ein eigenes Reisebüro, mit dem sie schon im Informationsschreiben nach der Buchung wirbt. Ich fand das zunächst gut, weil ich davon ausging, dass man dort zu speziellen, vergünstigten Preisen Touren buchen kann. Nach meiner ersten Tour war ich allerdings aufgeklärt, als ich mitbekam, dass ich innerhalb der Reisegruppe derjenige war, der so ziemlich den höchsten Preis gezahlt hatte. Von anderen in der Schule hörte ich dann noch, dass sie bei einer Agentur in Cusco einen Bruchteil meines scheinbar günstigen Preises löhnen durften. Von da an habe ich alles selbst in die Hand genommen und kam auch entsprechend billiger davon. Dass man somit die Unsicherheit der Fremden ausnutzt habe ich im Büro der Schule auch angefügt. Die Angestellte der Schule wollte es weitergeben; ob sich was ändert, werde ich wohl nie erfahren.
Den von der Schule angebotenen Wäscheservice habe ich erst gar nicht genutzt, als ich gehört habe, dass die gerne mal bescheißen und mehr Kilos berechnen, als man abgibt.

Mittwochs ist immer Filmabend in der Schule. Da sitzen alle Interessierten vor einer Leinwand auf der Terrasse und schauen sich bei niedrigen Temperaturen einen Spielfilm an. Normalerweise sollte der auf Spanisch sein, zumindest mit Untertiteln. Beim letzten dieser Abende, an dem ich beigewohnt habe, lief City of God – allerdings auf Portugiesisch mit englischen Untertiteln. Den Sinn in einer Spanisch-Sprachschule einen portugiesischen Film zu zeigen, kann ich bis heute nicht nachvollziehen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass die Schule an der falschen Stelle spart. Anstatt Außenstellen zu betreiben, fände ich es sinnvoller, die sanitären Einrichtungen auf einen angemessenen Standard zu bringen. Bei den Räumlichkeiten ist jeder Winkel ausgenutzt, sodass die Klassenzimmer teilweise wirklich ungemütlich und ohne Fenster sind. Noch dazu ist das sog. Internet-Café mit vier PC, von denen auch oft mindestens einer einen Virus hatte, direkt neben einem Klassenzimmer, wo schon die kleinste Unterhaltung störend war.

Positiv sollte ich aber endlich mal sagen, dass ich über das Personal gar nichts Schlechtes sagen konnte. Mit meinen beiden Lehrkräften war ich sehr zufrieden und auch das Küchenpersonal war immer freundlich (zu mir zumindest), besonders hilfsbereit und aufmerksam waren sie, wenn ich krank war. Abgesehen vom Reis war das Essen auch nie zu knapp und in den meisten Fällen hat es ehrlich gut geschmeckt. Die Schule bietet genügend Freizeitmöglichkeiten an, man muss sie nur nutzen. Auch von der Organisation war alles bestens, von Programmbeginn in Lima, der Abholung am Flughafen bis zur Kontaktaufnahme mit dem Projekt hat alles bestens funktioniert. Eine Angestellte vom Büro ist auch mit mir zum Projekt gefahren und hat mir den Weg gezeigt, was jetzt nicht selbstverständlich für mich gewesen wäre.

Ich glaube nicht, dass ich in Cusco oder unter ähnlichen klimatischen Bedingungen ein halbes oder sogar ein ganzes Jahr verbringen möchte, weil man eben doch immer mit einer laufenen Nase, trockenen Lippen oder kranken Leuten zusammen ist. Dass ich mir keinen Parasit eingefangen habe, ist schon ein großes Glück. Jeden Tag zwischen Winter- und Sommerklamotten zu wechseln, bei jedem Essen vorsichtig sein zu müssen und stets auf Wasser aus der Flasche angewiesen zu sein, macht auf Dauer auch keinen Spaß.

Da man oft lesen kann, wie gefährlich es in Peru ist, kann ich für mich sagen, dass ich nie die Sorge hatte, in Gefahr sein zu können, außer vielleicht bei manchen Busfahrten; Busunglücke sind ja bei der Fahrweise dort leider nicht so selten (obwohl man dazu sagen muss, dass dort wesentlich mehr Bus gefahren wird als hier), wie ich erst gestern wieder lesen musste. Es wird ja auch geraten, nachts selbst bei kürzeren Strecken Taxis zu nehmen, was ich auch nie für nötig empfunden habe. In Lima ist das vielleicht eher angebracht, aber für Cusco – besonders im Zentrum – unnötig.

Als Fazit kann ich sicher sagen, dass ich die Reise auf keinen Fall bereue und froh über alle Erfahrungen bin, die ich in der Zeit gemacht habe. Gerade wenn man mal länger unter diesen für uns sehr einfachen Bedingungen leben muss, weiß man erst richtig zu schätzen, was man in der Heimat alles hat und dort als selbstverständlich empfindet. So kann ich jedem, der mal für ein paar Wochen ins Ausland gehen möchte oder keine Zeit für ein normales Freiwilligenprojekt hat (die dauern nämlich meistens mindestens neun oder zwölf Monate), diese Kombination empfehlen. Ändern würde ich beim nächsten Mal wahrscheinlich den Gruppen- zum Einzelunterricht und das Geld für die Freiwilligenarbeit auch; also beim zweiten Mal, denn einmal ist die Erfahrung wirklich wertvoll. Ob man statt in dem Studentenwohnheim in einem Hostal besser und günstiger lebt, müsste man vergleichen; schlechter bestimmt nicht. Sprachkurs würde ich wieder ein, zwei Wochen machen, aber mehr Zeit zum Reisen einplanen. Wichtig ist nur, stets die Preise zu vergleichen.


Reise zum Lago Titicaca
Donnerstag, 13. Mai 2010, 22:16 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 1 ]

Pünktlich um sieben Uhr habe ich heute früh die Sprachschule verlassen, bin mit meinem ganzen Gepäck im Slalom zwischen Hundehaufen zur Plaza de Armas geeiert, von wo ich mit dem Taxi zum Terminal Terrestre gefahren bin. Es wirkt fast so, als würden die Peruaner wert auf Pünktlichkeit legen, weil man sowohl beim Zug als auch bei den Bussen eine halbe Stunde vorher da sein muss. Um acht Uhr sollte der Bus schon fahren, kam aber erst nach acht Uhr an. So habe ich lange umsonst herumgestanden, während die Sonne brannte und Meerschweinchenkartons an mir vorbeigetragen wurden.

Um 08.19 Uhr fuhren der Bus – also der Fahrer mit dem Bus – los und ich ließ Cusco hinter mir; das Feedback kommt noch. Die Strecke in Richtung Puno ist landschaftlich wirklich beeindruckend und ich konnte gar nicht genug sehen. Nochmal war ic froh, nicht den Nachtbus wie so ziemlich alle in der Schule, sondern den Bus tagsüber genommen zu haben. Am höchsten Punkt der Strecke – auf 4338 m – hielt der Bus an, um die dünne Luft zu schnuppern, die Beine zu vertreten und das Klo aufzusuchen. Ich entschied mich für die ersten beiden Varianten. Nach einer Viertelstunde ging es weiter über die auffallend leere Straße, die teilweise kilometerlang geradeaus verläuft und nur mal kurvig wirkt, wenn der Fahrer den vielen tiefen Schlaglöchern ausweichen musste. Lustig waren die Hunde, die immer wieder wie Bettvorleger auf der Straße klebten.

Ca. 50 km vor Puno hat der Bus in Juliaca, der mit Abstand hässlichsten Stadt Perus, die ich bisher gesehen habe, gehalten. Ich habe mich wirklich gefragt, wie an da freiwillig aussteigen kann. Gegen 15 Uhr erreichten wir von der Höhe aus Puno und sahen den Lago Titicaca vor uns liegen.

Als ich mein Gepäck hatte, habe ich mich erst um das Ticket nach Arequipa gekümmert. Am Sonntag um 10 Uhr fand ich eine sehr angenehme Zeit, nachdem die anderen alle am späten Nachmittag oder nachts abfahren. Mit dem nächstbesten Taxi bin ich zum Hostal Los Uros, das ich aus dem Reiseführer kannte. Für 25 Soles die Nacht – der Taxifahrer wollte mich gerne zu einem Hostal für 45 Soles die Nacht fahren – kann ich nicht viel falsch machen und das Zimmer ist in Ordnung; ein eigenes Bad habe ich auch. Meine Tour auf dem Lago Titicaca konnte ich auch gleich im Hostal buchen; morgen um 07.45 Uhr werde ich am Hostal abgeholt. Nun weiß ich jedoch, dass ich das DFB-Pokal-Finale nicht sehen kann. Schade.


Letzter Tag in Cusco
Donnerstag, 13. Mai 2010, 21:18 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Der letzte Tag begann damit, dass ich mich wieder sehr über die Dusche geärgert habe, weil die Deppen vergessen haben, das warme Wasser anzustellen. Ich hatte mich auf die Dusche gefreut, weil ich sowieso leicht erkältet bin. Dass mir das gestunken hat, habe ich auch gleich beim Frühstück mitgeteilt.

Im Kindergarten war es auch ganz schön. In der Pause haben wir noch ein Gruppenfoto gemacht und meine kleinen furzenden Kinder haben Süßigkeiten sowie kleine Kuh-Schlüsselanhänger, die mir eine Schweizerin aus der Schule mitgeschickt hatte, bekommen. Ganz brav haben sie sich verabschiedet.

Nach dem Mittagessen – natürlich mit Reis – hab ich nochmal die Wäsche weggebracht, mit daheim telefoniert und Läden aufgesucht.

Zum Abendessen bin ich mit R. zum Abschied nochmal ins Granja Heidi, um mir die gute Rinderlende nochmal zu gönnen. E. und L. konnten leider nicht mit, weil beide krank waren; tja, ich war dafür am Wochenende wieder gelegen. Der Eukalyptus-Tee war auch wieder gut, auch wenn der Chef meinenMagen bewunderte, dass ich zwei Tassen trinken konnte; verstehe seine Bedenken bis heute nicht. Der Kuchen zum Nachtisch war auch gut. Ich konnte mich nicht entscheiden, so konnte ich zwei halbe Portionen haben; R. nahm die andere Hälfte. Ich habe lieber nicht gefragt, warum die dunkle Torte Nelson Mandela heißt. Egal, das Granja Heidi werde ich auch vermissen. Vermissen werde ich sicher auch die wirklich netten Menschen, die ich hier kennengelernt habe. Dafür gibt es auch genügend, die ich zum Glück nicht mehr sehen muss.


Im Stadion
Dienstag, 11. Mai 2010, 21:40 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 2 ]

Gestern Abend fand die heiße Begegnung zwischen Cienciano Cusco und Alianza Lima hier in Cusco statt. Das Ligaspiel war daher erst am Montag, weil Alianza Lima erst am Donnerstag im Rahmen des Copa Santander Libertadores – der Champions League von Südamerika – das Rückspiel im Achtelfinale gegen Universidad de Chile zu bestreiten hatte.

Wir waren recht spät dran und hatten noch keine Karten. Kurz vor sieben – das Spiel sollte offiziell um 19.15 Uhr beginnen – war um das Stadion herum alles voller wartender Menschen, die auch noch keine Karten zu haben schienen. Kassenhäuschen, wie wir sie beispielsweise von der Allianz-Arena kennen, gibt es nicht. Die Schlangen endeten vereinzelt an einem kleinen Loch in der Mauer, wo gerade mal ein Stein fehlte. Da gab es wohl die Karten. Da die Schlangen aufgrund der geringen Anzahl dieser Verkaufslöcher sehr lang waren, sind wir einfach mal um das Stadion gelaufen. Irgendwann fanden wir jemanden auf der Straße, der vermeintliche Tickets zu verkaufen hatte. Wir wussten, dass wir bei den Tickets mit Preisen zwischen 5 und 30 Soles zu rechnen hatte. Jener bot uns Karten für 25 Soles an, die wir ihm auch abnahmen. Beim ersten Hinschauen wussten wir, dass es sich um VIP-Tickets handelt. Der Mann führte uns zu einem besonderen Eingang und hinauf in den VIP-Bereich, der mit sehr bequemen Polstersesseln ausgestattet war. Wir saßen zwar hinter der Scheibe, aber mit bestem Blick auf das Spiel. Im Freien war man auch schnell, wenn man mit dem Aufzug nach unten fuhr. Da man hier nicht so auf Pünktlichkeit achtet, waren wir auch genau richtig zum Anpfiff auf unseren bequemen Plätzen. In der Reihe vor uns saß der Präsident von Cienciano Cusco, der das Spiel total emotional verfolgte. Während der ersten Halbzeit gab es auch ein belegtes Brötchen und einen Becher Cola.

Cusco hatte nicht nur Heimvorteil durch das größere Publikum, sondern auch durch die klimatischen Bedingungen, an die Cusco sicherlich gewohnt ist im Gegensatz zu Lima. Wenn ich mit den Kindern im Kindergarten Fußball spiele, geht mir nach wenigen Minuten die Luft aus. So kann ich mir schon vorstellen, dass 90 Minuten für Profis auch nicht besonders einfach sind.  Zur Pause stand es 2:0, auch wenn es wohl mehr Glück für Cusco war. Leistungsmäßig waren bei Lima keine Schwächen zu entdecken. In der zweiten Halbzeit schoss Lima zwar den Anschlusstreffer, jedoch konnte Cusco den Spielstand bis zum Abpfiff halten.

Das Spiel war nie langweilig, weil es immer ganz unterhaltsame Szenen gab; an Fouls und Rangeleien mangelte es auch nicht. Die Fans waren an Gesängen nicht sehr kreativ, dafür machten sie Lärm und sprengten regelmäßig irgendwelche Knallkörper, wie es bei uns nicht möglich wäre.

Nach dem Spiel haben wir das Stadion über den selben Hintereingang verlassen und sind mit dem nächtbesten Taxi zurück zur Plaza de Armas. Fußball zu diesen Preisen ist wirklich sehr schön.


Auf dem Friedhof
Montag, 10. Mai 2010, 22:47 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Bei meinem ersten Besuch im Kindergarten wurde ich zum ersten Mal auf den großen Cementerio General de Almudena aufmerksam und habe mir sofort vorgenommen, während meines Aufenthaltes mal dorthin zu fahren. Es heißt ja, dass Friedhöfe viel über ein Volk, eine Kultur aussagen. Trotz des heißen Nachmittags bin ich an einem meiner letzten Nachmittage hier in Cusco zum Friedhof gefahren. Inzwischen hatte ich erfahren, dass die Friedhöfe alle in dieser Art sind, mit lauter Nischen für Urnen, weil kein Geld für Erdbestattungen wie bei uns vorhanden ist. Einen Friedhof wie wir ihn von uns kennen, gibt es in Cusco anscheinend nur einen.

Der Friedhof hier ist sehr schön angelegt. Vom Hauptweg geht es in die einzelnen Abteile, in deren Mitte meist aufwändige Grabmäler oder Familiengrüfte stehen. Begrenzt werden die Abteile durch die hohen Mauern, mit bis zu sieben Urnenfenster übereinander. So wie wir unsere Gräber beliebig bepflanzen, gestalten die Peruaner die Fenster auch frei nach ihrem Geschmack. Fast nervig war, dass aus vielen der Fenster Beethovens Für Elise wie von einer Glückwunschkarte mit Ton erklang. Andere haben Bier- oder Inca-Kola-Flaschen als Blumenvase missbraucht, das Lieblingsspielzeug des Toten oder einfach nur Fotos hinter die Scheibe gestellt. Unterhalten war ich zumindest.

Auf dem Rückweg bin ich noch an einigen Läden vorbeigekommen, in denen verschiedene Fenstermotive angeboten wurden. Ein sehr interessanter Besuch.


Muttertag in Cusco
Montag, 10. Mai 2010, 20:27 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Gestern war Muttertag. Der Tag wurde nicht nur zur Geschäftemacherei genutzt, wie das bei uns leider oft der Fall ist, sondern es wurde kräftig gefeiert. Egal, ob in den Kirchen oder auf den Straßen, überall wurden die Mütter geehrt.

Auch im Kindergarten liefen in der ganzen letzten Woche die Vorbereitungen für den Muttertag. Da der Kindergarten sonntags geschlossen ist, war für den Tag darauf das große Fest geplant. Damit die Kinder ihren Müttern auch eine kleine Aufmerksamkeit übergeben können, haben sie zwei Tage an ihren Geschenken gebastelt – oder besser ICH habe gebastelt. Die Erzieherinnen/Lehrerinnen hatten sich nämlich wieder was ausgedacht, was für die Kinder zu schwer war, sodass die Arbeit zur Hälfte an mir hängen blieb. Es wurden Holzspachteln (also ich meine die Dinger, die der Arzt auf die Zunge legt, um in den hals zu schauen) zu einem Haus gelegt und mit dem von mir so geliebten Kinderleim auf einen Wellkarton geklebt. Ein aufklappbares Papierherz sollte vorne mit roter Farbe angemalt werden, in das ich dann jeweils einen Gruß an die Mutter schreiben durfte. Das Herz musste wiederum auf das Haus geklebt werden. Als wär das noch nicht genug, gab es eine Menge Papierbuchstaben, Ms und As. Ein daraus gebildetes MAMA hatte auch noch irgendwo Platz zu finden.

Heute war dann das Muttertagsfest im Kindergarten. Die Stühle kamen raus auf die Terrasse, die Stereoanlage wurde draußen angeschlossen und das schwere Kreuz durfte ich auch woandershin platzieren. Viele Eltern kamen und die Kinder kamen in traditionellen, bunten, peruanischen Klamotten, was wirklich niedlich aussah. Die Kinder hatten nämlich auch einen tanz eingeübt, den sie später vor den Eltern vortrugen.

Die Mütter wurden mit den Liedern geehrt, die ebenfalls in der vergangenen Woche mehrmals gesungen wurden. Die Geschenke hingegen lagen am nächsten Tag immer noch zum Trocknen auf den Fensterbrettern.

Am Ende gab es noch für jeden ein großes Sandwich mit Hähnchenfleisch, Salat und anderen unbekannten Sachen.


Post
Donnerstag, 6. Mai 2010, 21:30 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Als ich gestern am späten Nachmittag von einem längeren Fußmarsch zurückgekommen bin, wurde mir mitgeteilt, dass viel Post für mich angekommen sei. Zu meiner großen Freude waren es tatsächlich zwei Briefe aus Würzburg, eine Postkarte aus Heidelberg und zwei Postkarten aus Hannover. Auch wenn sie schon vor mehr als zwei Wochen geschrieben wurden, habe ich mich sehr gefreut. Bitte schreibt jetzt keine Post mehr nach Peru, weil sie erst nach meiner Abreise ankommt.

Der Fußmarsch war keine Stadtbesichtigung, sondern ich bin zum Busbahnhof gelaufen, weil dort die Bustickets am günstigsten zu haben sind. So zahle ich für die sechsstündige Fahrt nach Puno am Lago Titicaca nur 25 Soles (1 EUR = 4,31 Soles).


Von Gerüchen und fehlendem Wasser
Dienstag, 4. Mai 2010, 22:09 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Gestern bin ich nachmittags mal wieder in die Markthalle – El Mercado de San Pedro – gegangen, um mir einen frisch gepressten Saft zu gönnen, der mir schon mehrmals empfohlen wurde. An den Saftständen reißen sie sich fast um die Kundschaft, von daher bin ich letztlich zu der Obsttante gegangen, die am ruhigsten von allen blieb. Für 3,50 Soles hat sie mir dann einen Obstmix gemacht, frischt gepresst und in ein Glas gefüllt, aus dem ich zum Glück mit einem Strohhalm trinken konnte. Dass sie mir zweimal aufgefüllt hat, fand ich sehr nett, scheint aber normal zu sein. An Vitaminen mangelt es mir hier zumindest nie.
Die Fleischabteilung in der Markthalle ist schon fast eklig. Da hängen die Fleischfetzen herum und ich möchte nicht wissen, wie lange. Dazwischen liegen dann auch mal einige Kuh- und Schafsköpfe auf einem Haufen. Der Anblick und der besonders der Geruch sind nur schwer zu ertragen, aber deswegen werde ich bestimmt nicht zum Vegetarier.

Als ich in die Schule zurückgekommen bin, habe ich erfahren, dass es kein Wasser gibt und im entsprechenden Zustand waren auch die beiden Toiletten. Gut, dass meine Blase aus der Bierzeltzeit trainiert ist, sodass ich es nicht so eilig hatte wie einige andere. Wasser gab es in der ganzen Nachbarschaft nicht, weil irgendein Rohr gebrochen war. Als ich gegen Abend meinen Teller spülen wollte und den Wasserhahn aufgedreht habe, sprudelte es aber wieder, auch wenn es – wie hier üblich – stark nach Chlor gestunken hat.


Fiesta de la Cruz
Montag, 3. Mai 2010, 22:21 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Den gestrigen Sonntag bin ich nach dem Machu Picchu-Ausflug etwas ruhiger angegangen. Um 9 Uhr habe ich den Gottesdienst in der Iglesia Santa Teresa besucht, deren Glocken Tag und Nacht zur Schule hinauf klingen. Wie zu erwarten, war ich der einzige Nicht-Peruaner. Die ganze Kirche war gut besucht und allein die ersten fünf Reihen belegten rund 60 Kinder, deren Lehrer wie die Wachhunde neben den Bänken standen. Ungewohnt waren die Dialoge des Priesters mit dem Volk während der Predigt. Auch die Begleitung der Orgel habe ich etwas vermisst. Am Ministranten mangelte es auch nicht, was sicher auch damit zu tun hatte, dass gestern in der ganzen Stadt das Fiesta de la Cruz gefeiert wurde, wo immer wieder in kleineren Prozessionen geschmückte Kreuze durch die Stadt getragen wurden.
Den Rest des Vormittags habe ich im Internet-Café verbracht, wie man bereits lesen konnte.

Nach dem Mittagessen in der Schule bin aufgrund des schönen Wetters auf den Berg hinter der Schule gestiegen, um die Christusstatue, eine Kopie derer aus Rio de Janeiro, aus der Nähe zu betrachten, was sich auch sehr gelohnt hat. Die Aussicht von da oben über die Stadt ist dieser Aufstieg wirklich wert. Das Problem ist nur, dass man ohne Boleto Turistico die Herren am Kontrollpunkt erst überzeugen muss, dann man nicht Saqsayhuaman (da war ich schließlich schon), sondern nur die Christus-Statue besuchen möchte.

Abends bin ich noch mit einigen in ein Restaurant zum Abendessen gegangen, das trotz sehr niedriger Preise von Touristen kaum besucht wird.
Nicht sehr aufregend der Sonntag, aber abwechslungsreich.


Meerschwein ich dich grüße
Sonntag, 2. Mai 2010, 19:14 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 5 ]

Dieser Artikel sollte eigentlich schon am Freitag fertig sein, aber in der Schule haben wir eine Art Hausmeister, der darauf bestand, das Internet-Café der Schule zu schließen. Was blieb mir also anderes übrig als abzubrechen. Jener Hausmeister ist wie ein Wachhund hier. Nachts kann man zu jeder Zeit klingeln, er macht auf. Nebenbei hilft er auch in der Küche und sorgt dafür, dass sich ab 10 Uhr abends keiner mehr auf der Terrasse oder im sowieso eiskalten Aufenthaltsraum aufhält – Nachtruhe. Als ich – aus dem Internet-Café verwiesen – auf die Terrasse kam, durfte ich unfreiwillig Salsa lernen, weil ein männlicher Tanzpartner fehlte und neben dem Tanzlehrer nur vier Interessierte anwesend waren. Ich war zu überrumpelt, sodass ich den Spaß mitmachte. Jetzt komme ich aber dann doch mal zu dem, was ich ursprünglich berichten wollte.

Am Freitag war ein sehr angenehmer Vormittag im Kindergarten: Als ich ankam, waren nur wenige Kinder da und in dem einen Klassenzimmer waren Lehrerinnen und Eltern versammelt. Ich habe mich draußen aufgehalten, auf die paar Kinder aufgepasst und jene davon abgehalten, ins Klassenzimmer zu gehen. Nach zehn Minuten habe ich einen Ball organisiert und bin mit den Zwergen zum benachbarten Bolzplatz gelaufen, wo wir über eine Stunde gespielt haben. Kurz vor halb zehn sind wir wieder zurück, wo sich die Veranstaltung gerade auflöste; Unterricht – wenn man das so nennen kann – fand zumindest an diesem Tag nicht statt. Ich habe noch kurz beim Aufräumen geholfen und dann sind wir – die drei Lehrerinnen (eine kam später nach), die Angestellte und ich – auch schon mit dem Bus in die Stadt gefahren. Dort sind wir in einen größeren eingestiegen, der uns für nur einen Sol eine Stunde lang nach Tipon befördert hat. Angeblich gibt es in Tipon nämlich das beste Cuy. Unterwegs sind immer wieder Landleute eingestiegen, die entweder einen Sack Reis oder andere Lebensmittel in den Bus oder auf die Transportfläche auf dem Dach gewuchtet haben. In Tipon suchten die Lehrerinnen eine Cuyeria aus. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien, aber sie ließen sich immer die Meerschweinchen zeigen und irgendwann blieben wir auch, nachdem sie den Preis von 30 Soles auf 25 heruntergehandelt und die Exemplare ausgesucht hatten. Bald kam der Teller mit dem Meerschweinchen (Cuy al horno = Meerschweinchen aus dem Ofen), dazu zwei (wie immer) trockene Kartoffeln (die werden mit in den Ofen geworfen), eine Art Nudelauflauf und eine gefüllte, scharfe Paprikaschote. Als ich mir mit Messer und Gabel am Meerschweinchen Orientierung verschaffen wollte, wurde mir gleich gesagt, ich soll mit den Händen essen. Ich habe ein Bein abgebrochen und gegessen (ohne den Knochen natürlich). Ich kann jetzt nicht sagen, dass es wie Hähnchen geschmeckt hat, aber es war nicht schlecht. Die anderen Beine schmeckten nicht anders. Die peruanischen Damen waren derweil dabei, ihr Cuy wie gekonnt zu verdrücken. Sie fingen fast alle mit dem Kopf an und mir verging etwas der Appetit, als ich sehen musste, was davon übrig blieb, nämlich nur ein paar wenige kleine Knochen. Ich hatte inzwischen die Haut abgegessen, die zwar knusprig, aber zäh war. Im Inneren steckte ein Gewürzbüschel, der leider dem ganzen Fleisch eine Geschmacksnote verlieh, die mir etwas wider ging. Nun kam auch ich zum Kopf. Die Lehrerinnen hatten – glaub ich – Spaß daran, mir beim Essen zuzusehen. Ich habe einfach mal den Kopf abgerissen (mit dem Messer nachgeholfen) und die kleinen Ohren abgeknabbert, weil sie schön knusprig waren. Von der Stirn, den Backen und um das Maul habe ich auch noch einige Fleischfetzen erwischt, dann – fand ich – gab es nichts Genießbares mehr am Kopf. Spätestens als ich den Unterkiefer ausgebrochen habe und die Speiseröhre zum Vorschein kam, wusste ich, dass ich vom Kopf nichts mehr essen wollte. Dass die Peruaner das ganze Innenleben essen, ist für mich nur schwer begreifbar. Vom Körper habe ich dann noch das gegessen, was ich auch am Hähnchen esse, dann war für mich Schluss; genug Fleisch hatte ich gegessen. Mein Teller hat ausgesehen wie ein Schlachtfeld, während auf den anderen Teller nur ein paar Knochen, die kleinen Rippen sowie der Gewürzbüschel lagen. Was sie nicht schafften, landete in Tüten (einschließlich der Beilagen). Ich würde es vielleicht irgendwann wieder essen, aber so schnell muss es nicht sein. Der Gewürzbüschel hat bestimmt viel ausgemacht, daher kann ich mir vorstellen, dass es bei einer anderen Zubereitung besser schmeckt. Da man Cuy meistens zu besonderen Anlässen isst (bei uns war es der Geburtstag einer Lehrerin), bin ich froh um die Erfahrung, würde aber auch beim nächsten Mal nicht mehr davon verspeisen.

Der Bus zurück war leider so voll, dass ich die ganze Strecke mit eingezogenem Bus (auch die größeren Busse sind nicht hoch) stehen musste.


Der Herbst kommt
Donnerstag, 29. April 2010, 22:23 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: 1 ]

Wie man so mitbekommt, scheint in Würzburg der Sommer einzukehren, während die Temperaturen hier in den letzten Tagen deutlich sinken. Anfangs war es hier tagsüber nur kalt, wenn der Himmel bewölkt war. Jetzt ist es aber auch schon nachmittags so kalt, dass es fast unangenehm ist. Abends muss man sich sowieso vielschichtig einpacken, dass man draußen sitzen kann. Draußen ist ja eigentlich auch drinnen, weil die Häuser hier kein bisschen isoliert sind und auch keine Heizungen existieren. Genug übers Wetter geredet für heute.

Gestern hab ich mir im Supermarkt für das gestrige Abendessen eine aus der Schweiz importierte Leberwurst gekauft, die ich auf zwei Ciabatta verteilt habe. War wirklich gut und ich denke, das wird es die Tage nochmal geben. Das Bier hier schmeckt nicht besonders und die peruanischen Chips, die ich mal probieren wollte, werde ich auch nicht aufessen. Dafür esse ich – für mich ziemlich ungewöhnlich – öfters Doritos-Chips; an denen könnt ich mich zu dod fress.

Im Kindergarten bin ich seit heute in der anderen Gruppe, weil die Lehrerin geklagt hat, dass ich immer in der anderen Gruppe bin. Die Klasse besteht aus vielen Arschlochkindern und ich werde bestimmt die letzte Woche wieder bei den anderen Kindern verbringen.

Jetzt werde ich mich um mein Abendessen kümmern. Wird Zeit, dass ich wieder Ausflüge mache, weil es so wenig zu erzählen gibt. Bis zum nächsten Mal.


Fußballnachmittag
Dienstag, 27. April 2010, 23:56 Uhr unter Würzburcher in Peru.
Von: Hank
[ Kommentare: keine ]

Juhu die Bayern sind im Finale. Wie schon beim Hinspiel haben wir auf das Essen in der Schule verzichtet und das Spiel im Pub The Real McCoy angeschaut. Das Finale werde ich mir in Lima anschauen, am Tag vor meiner Abreise aus Peru.

Sonst gab es heute nichts Interessantes zu berichten. Vom Wäscheabholen brauch ich nicht zu berichten. Die Busfahrt heute früh war genauso wenig entspannt wie gestern; ein Rennen, das mein Fahrer verloren hat, weil ich aussteigen wollte.


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