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Blogroll die 2te
Brüste sorgen für Entbrüstung
Mittwoch, 30. Juni 2010, 22:35 Uhr unter Lästereien, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 6 ]

Und das in Würzburg. Eine 27-jährige Frau aus Baden-Württemberg hat es gewagt, sich auf der Alten Mainbrücke barbusig – ein schönes Wort! – zu sonnen. Entblößte Brüste zwischen den Brückenheiligen. Titten neben Pipin. Entbrüstete Passanten konnten das nicht zulassen und mussten den Brüsten auf der Brüstung ein Ende bereiten, sie waren doch zu brüstkiert ob dieses obszönen Anblicks, während einige brüstige Rentner ihre Freude hatten, weil sich jemand so brustikal nackig in der Öffentlichkeit zeigt.

Mal ehrlich, die feine englische Art ist das sicher nicht, sich in der Öffentlichkeit auf der Alten Mainbrücke oben ohne hinzulegen, aber der humorige Kommentar im Polizeibericht, dass die Brückenheiligen bei diesem Anblick förmlich versteinert waren, zeigt schon irgendwo, was man von dieser Art von Zivilcourage halten kann. Ich käme nie auf die Idee, deswegen die Polizei zu rufen, ich hoffe, der Anrufer ist in anderen Fällen genauso schnell, wenn es darauf ankommt. Bemerkenswerter finde ich aber fast das, was die Main-Post daraus gemacht hat:


Bildschirmfoto: Main-Post

Warum wird die Polizistin mit einen Ausrufezeichen (!) besonders gekennzeichnet? Hier wird die Neutralität eines Berichts aufgegeben, weil für den Verfasser die Tatsache, dass eine Polizistin einem Anti-Titten-Sondereinsatzkommando angehört, offenbar so außergewöhnlich ist, dass er diesem euphorischen Gefühl Ausdruck verleihen muss. Es war NICHT die Polizistin, die sich entblößt hat und es ist davon auszugehen, dass die Dame selbst auch schon Brüste gesehen hat. Die Polizisten können sich mit dieser Story aber auf jeden Fall vor ihren Kollegen brüsten. Eine Anzeige bekommt die junge Dame wegen Erregung (!), also wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses.

Und schon wieder gibt es kein Video vom Blut-und-Scherben-Sensationsfilmer der Main-Post. Der ist doch sonst immer vor Ort, wenn es was zum Glotzen gibt.


Auf zur Rastafahndung
Dienstag, 29. Juni 2010, 16:00 Uhr unter Lästereien, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 1 ]

Ohne Rast und ohne Ruh sollte die Polizei schleunigst eine Rastafahndung einleiten, damit ihnen der Verbrecher mit den Rasterlocken nicht durchs Rasta fällt. Ansonsten ist die Rasterlocke als Haarteil einer männlichen Person bekannt, die zur Zeit Pause macht.


Bildschirmfoto: Main-Post

Zum Glück haben sie sich nicht auch noch an einer Waagen-Beschreibung versucht. Oder einer Wagen-Beschreibung, falls die Turnschuhe zu langsam waren. Danke an D. für das Bildchen.


Die Main-Post und ihre Online-Umfragen
Freitag, 4. Juni 2010, 11:30 Uhr unter Lästereien, Politik, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 4 ]

Sie lernen es einfach nicht…

Die Auflage der Main-Post wird immer wieder gerne mit “bis zu 140.000 Exemplaren” angegeben, mit der man insgesamt sogar eine halbe Million Leser in der Region erreichen will. Auf der Online-Seite werden dann lustige Klick-Umfragen geschaltet, deren Ergebnisse dann immer wieder gerne als nicht-repräsentative Umfrage in der Druckausgabe verwurstet werden. Dass dann aber aus 712 Online-Nutzern, die sich mit der überwältigenden Mehrheit von 28,1% für Margot Käßmann und gegen Joschka Fischer, Ursula von der Leyen, Edmund Stoiber und die anderen gerade verfügbaren Namen enschieden haben, die Überschrift “Main-Post-Leser wollen Käßmann als Bundespräsidenin” wird, ist mehr als peinlich. Immerhin 0,49103448% der Leser haben abgestimmt, wenn man davon ausgeht, dass es nur 145.000 Leser gibt. Dabei ist aber nicht eingerechnet, dass bei der Main-Post jeder so oft abstimmen kann, wie er gerade Lust und Zeit hat, auch wenn ich schwer davon ausgehe, dass Frau Käßmann nicht wie andere für sich geklickt hat.

Angenommen, die Main-Post hätte Franz Beckenbauer, Stefan Raab, unsere Grand-Prix-Gewinnerin Lena, Horst Schlämmer und Günther Jauch ins Umfrage-Rennen geschickt, wir hätten uns alle sicherlich über die Schlagzeile “Überwältigende Mehrheit: Main-Post-Leser fordern Lena als Bundespräsidentin” freuen dürfen.

Eine andere, gerne genutzte Baustelle bei der Main-Post sind die völlig anonymen und meist ziemlich prolligen bzw. dummen bzw. debilen bzw. hirnlosen bzw. dämlichen Kommentare, aus denen dann in der Druck-Ausgabe immer wieder ein Artikel wird, der mit “Heftige Diskussion im Internet” betitelt wird…

Übrigens: Ich lese die Main-Post, aber ich will nicht Frau Käßmann als Bundespräsidentin. Mindestens zwei Leser meines Blogs wollen Uli Hoeneß als Bundespräsident, das sind prozentual schon mehr Leser als bei der MP-Umfrage.


Rush Aua!
Mittwoch, 19. Mai 2010, 14:35 Uhr unter Lästereien, Straßenverkehr, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 2 ]

Wer in fremden Sprachen nicht firm ist, sollte im Deutschen bleiben, das ist für viele schwer genug:


Bildschirmfoto: Main-Post

Wunderbar! Ramsauers Zeit ist gekommen, seit Raschauers Zeit abgelaufen ist. “menschenkind” empfehle ich, in Zukunft “zu Stoßzeiten” zu benutzen. “Stoßzeiten”, nicht “Stosszeiten”, falls es wieder einmal Probleme mit dem “ß” gibt, das es immer noch gibt. Vielleicht bauen sie im Schwarzwald demnächst nicht nur Kuckucks-, sondern auch Ochsenuhren. Wäre doch mal was… Da schnaubt dann zur vollen Stunde immer der Hourochse.


Radfahrer, Autofahrer, Fußgänger – alle böse!!!
Samstag, 8. Mai 2010, 13:33 Uhr unter Straßenverkehr, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 2 ]

Alle sind sie böse, ganz ganz böse. Aufeinander und miteinander und überhaupt, am schlimmsten ist es natürlich in Würzburg und jedem ist etwas Schlimmeres widerfahren. Die bösen Radfahrer sind die allerschlimmsten. Die nehmen überhaupt keine Rücksicht, fahren auf Gehsteigen, gegen Einbahnstraßen, gegen Fußgänger, gegen Autotüren und anschließend suchen natürlich alle das Weite. Alle Würzburger Radfahrer sind potenzielle Unfallflüchtige. Warum? Weil ein paar Würzburger mal etwas Ähnliches erlebt haben und aus dem Einzelfall immer der Regelfall wird, vor allem dann, wenn im Kindergarten Main-Post-Leserforum anonyme Besserwisser aufeinander losgehen, die zu jedem Thema ihren Senf beitragen müssen.

Gleich drei Taxifahrer haben sich über Radfahrer beschwert. Interessant, viele – nicht alle! – Taxifahrer sind riesengroße Rüpel und scheren sich einen Dreck um irgendwelche Verkehrsregeln, Radfahrer scheinen für die ein rotes Tuch zu sein, anders ist es nicht zu erklären, warum mich vorher so ein schnauzbärtiger Vollprolet in seinem Karo-Holzfällerhemd geschnitten hat, dass ich fast vom Rad geflogen wäre. In die alberne Scheindebatte um die Radfahrer in Würzburg will ich aber gar nicht einstimmen, gegenseitige Schuldzuweisungen gibt es nämlich bei der Main-Post schon zu Genüge, ich finde es eher lächerlich, wie hier jeder meint, seine persönliche Geschichte zum Besten geben zu müssen, was er und sie schon Schlimmes mit Radfahrern erlebt hat. Radfahrer sind alle rücksichtslos und sollen mehr Rücksicht nehmen. Autofahrer sind natürlich fast genauso böse und sollen doch selbst Rücksicht nehmen. Und Fußgänger natürlich auch. Immer sollen die anderen Rücksicht nehmen, selbst füheln sich die meisten nicht dazu aufgerufen, auf den anderen genauso Rücksicht zu nehmen.

Was kümmert denn die kleinbürgerlichen Holzköpfe ein Radfahrer auf dem Gehsteig, wenn genug Platz ist? Nur weil das nicht erlaubt ist, muss man nicht einen Schritt in die Mitte machen, um den Radfahrer dann anzustänkern, dass er gefälligst absteigen soll. Noch schlimmer sind die Rempler, die das Recht auch gleich durchsetzen wollen. Dass es dann zu Pöbeleien und gegenseitigen Beschimpfungen kommt, ist natürlich irgendwo verständlich. Dann sind es aber wieder die bösen Radfahrer, die auch noch unverschämt werden, wenn man etwas sagt. Warum hat mich der alte Herr vorhin in der Eichhornstraße vor der Hypovereinsbank anmaulen müssen, dass das die Fußgängerzone ist. Ich bin von den Fahrradstellplätzen losgefahren und habe niemanden gestört. Hauptsache gemeckert.

Nehmen Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger auf alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht, passiert nichts, es muss niemand eine doofe Debatte lostreten, bei der sowieso kein Ergebnis zu erwarten ist, und alle sind zufrieden. Es braucht keine Verbote oder vermehrte Kontrollen, nur ein bisschen mehr Gelassenheit und weniger Betonköpfe, die gerne Polizist spielen.


Ein Main-Post-Symbolfoto
Sonntag, 2. Mai 2010, 16:29 Uhr unter Lästereien, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 1 ]

Wenn ein Straßenbahngleis zum Heuchelhof wegen einer technischen Störung blockiert ist, ist der halbstündige Ausfall der Straßenbahn sicherlich eine Zeitungsmeldung wert, auf ein Symbolfoto sollte man allerdings verzichten, wenn die Heuchelhofstraße von der Berner Straße unerreichbar fern scheint.


Bildschirmfoto: Main-Post

Das obige Bild ist auf jeden Fall schon etwas betagter, zufällig ist die Heuchelhofstraße zu sehen. Die Ran-Tankstelle freut sich über die Werbung, dass dort das Benzin deutlich billiger zu sein scheint als bei den anderen. 40 Cent weniger! Wow! Da würden sogar die Tschechen zum Tanken nach Würzburg fahren.


Minderheitenschutz der Main-Post?
Mittwoch, 7. April 2010, 7:30 Uhr unter Lästereien, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: keine ]

20 Personen, lose organisiert in vier (!) verschiedenen Initiativ(ch)en, haben gestern am Oeggtor den Verkehr für ein paar Minuten lahmgelegt, weil sie für einen autofreien Rennweg demonstriert haben. Keine große Kundgebung sollte es werden, was sich auf Nachfrage leicht sagen lässt, eher eine symbolhafte Aktion als Beitrag zur Diskussion um die neue Verkehrsführung, wenn die neue Straßenbahn zum Hubland gebaut wird. Der Arbeitskreis Studierende für Denkmalschutz hat gerufen, die Massen sind gekommen, die eifrigen Ringparkschützer durften da natürlich nicht fehlen. Oder war zufällig einer von denen in die Stadt unterwegs und hat sich gedacht, das ist putzig, ich erhöhe die Teilnehmerzahl mal im fast zweistelligen Prozentbereich? Nett, dass die Main-Post bemerkt, dass die Demonstranten für einen autofreien Rennweg ein Auto dabei haben mussten, um überhaupt auf die Straße zu dürfen, aber warum wird überhaupt über eine solche Mini-Veranstaltung berichtet? Minderheitenschutz?

Ich könnte auch mal eine Demonstration anmelden und versammle mit mir Gleichgesinnte, die ebenfalls gegen Krankheiten sind, gegen Krieg, gegen Terroristen, für den Frieden, gegen Verbrechen, für ein Verbot von Bayern-Niederlagen, für das Verbot von Bürgerinitiativen, gegen schlechtes Wetter, gegen hohe Benzinpreise und gegen Sulzschnee und vereiste Skipisten sind. Dann soll die Main-Post aber unbedingt darüber berichten und der Typ mit seiner Filmkamera, der sonst die Videos von Verkehrsunfällen dreht, soll bitte auch kommen.


Was für eine Überschrift
Samstag, 6. März 2010, 10:09 Uhr unter Allgemein.
Von: Alex
[ Kommentare: keine ]

Manchmal übertreffen sie sich am Heuchelhof selbst, wenn sie sich die Überschriften ausdenken…


Bildschirmfoto: mainpost.de

Wie ist denn das wieder gemeint? Und gleich zweimal. Da war wohl jemand mächtig stolz auf sein Wortspiel, wenn es denn Absicht war.

“Der Kirche den Marsch blasen” könnte man doch morgen schreiben. Oder war es der DFB?


Anonyme Schimpftiraden in den Main-Post-Kommentaren
Freitag, 26. Februar 2010, 17:36 Uhr unter Internet & Computer, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 2 ]

Es ist schon erstaunlich, wie viele sich auf der Main-Post-Seite zu bestimmten Themen äußern. Die meisten verstecken sich hinter irgendeinem Pseudonym und lassen hemmungslos ihren Schimpf- und Hetztiraden freien Lauf, teilweise so sehr, dass die Online-Redaktion der Main-Post eingreifen muss und die schlimmsten Passagen löschen muss. “Zensur” wird dann von denen am lautesten geschrien, die dafür verantwortlich sind, dass “zensiert” werden muss.

Besonders auffällig ist das immer, wenn es um die Kirchen geht, wobei die katholische Kirche der erklärte Lieblingsfeind von einigen ist, die immer dann wie auf Bestellung aus ihren Löchern gekrochen kommen, wenn diese Thema ist. Geht es um den Zölibat wie vor einigen Wochen, als in Hammelburg Pfarrer Sell suspendiert wurde, haben diese ganz viel zu sagen und kommen mit den abgedroschenen Plattitüden von Hexenverfolgung, Inquisition, Kreuzzügen, Kirchensteuer und dem unschätzbaren Grundbesitz, die gleichen Plattheiten bekommt man aber auch ganz aktuell zu lesen, wenn über die schlimmen Enthüllungen bezüglich der Missbrauchsfälle berichtet wird oder über die Einwände der Kirchen gegen den zweiten verkaufsoffenen Sonntag. Ist es zwischenzeitlich mal die evangelische Kirche mit der inzwischen zurückgetretenen Bischöfin Margit Käßmann, wird auch alles in den Schmutz gezogen, als ob alle, die im kirchlichen Dienst stehen, unfehlbar wären und die Kirchen als Relikt vergangener Zeiten sowieso abgeschafft werden müssten.

Ich kommentiere bei der Main-Post auch gerne, auch weil mir Leserbriefe zu umständlich sind und eine Online-Plattform etwas Tolles ist. Aber ich tue das mit meinem richtigen Namen. Leserbriefe werden in den Zeitungen nur veröffentlicht, wenn diese mit komplettem Absender vorliegen. Warum darf in Zeitungen unter jedem x-beliebigen Pseudonym geschimpft und beleidigt werden, so auch in der Main-Post? Gestern hat Matthias einen Link zur Badischen Zeitung getwittert, wo ab sofort nur noch mit dem richtigen Namen kommentiert werden kann. Die Qualität der Beiträge dürfte deutlich steigen, überflüssige Beleidigungen und sonstige Dämlichkeiten bleiben dann dem Leser erspart und es kann eine sinnvolle Diskussion stattfinden. Bei der Main-Post wäre man sicher gut beraten, über einen ähnlichen Schritt nachzudenken. Tut das mal, ich weiß ja, dass ihr hier regelmäßig mitlest.


Voyeurismus oder Informationspflicht?
Mittwoch, 30. Dezember 2009, 15:31 Uhr unter Straßenverkehr, Würzburg.
Von: Alex
[ Kommentare: 8 ]

Liebe Main-Post-Redaktion, da ich weiß, dass hier mancher von euch mitliest, möchte ich doch mal an dieser Stelle die Frage in den Raum stellen, ob es wirklich nötig ist, bei schweren Verkehrsunfällen mit mehreren Toten immer ein Video von Herrn Diem online zu stellen, dazu eine Fotostrecke mit den völlig zerstörten Autos, an denen manchmal auch die Blutspuren zu sehen sind. Bedient das nicht ausschließlich den Voyeurismus von Leuten? Unfallgaffer verteufelt man, in der Main-Post bekommt man aber leider immer öfter genau diese Bilder zu sehen? Warum? Eine Schilderung des Unfallgeschehens reicht doch vollkommen. Mehr ist nicht nötig. Sind die negativen Kommentare unter solchen Berichten nicht ausreichend? Braucht es noch mehr oder geht es euch wirklich nur um die Seitenaufrufe? Herr Sahlender ist doch so gerne Leseranwalt und wägt ab, wie weit Journalisten gehen dürfen.

Schlägern sich irgendwelche Russen und Türken, dann werden daraus “Jugendliche”, damit nicht Vorurteile geschürt werden, sterben Menschen bei schrecklichen Verkehrsunfällen, fallen solche Bilder sicher nicht unter die journalistische Pflicht zu informieren. Besonders befremdlich finde ich, dass die überflüssigen Fotoserien im interaktiven Fenster neben den Party-Bildern zu finden sind. Für den Fall, dass ich genug Unfall gesehen habe, ansonsten verlinkt ihr ja gerne auf frühere Unfälle mit Bildern und Videos.


Heikel
Montag, 28. Dezember 2009, 12:29 Uhr unter Lästereien.
Von: Alex
[ Kommentare: 1 ]

Liebe Main-Post! Ist dieses Symbolfoto wirklich geeignet, um nach dem “Gesicht des Jahres” zu suchen?


Bildschirmfoto: mainpost.de (28.12.2009)


Fragwürdige Auffassung von Schulpflicht
Dienstag, 8. Dezember 2009, 17:01 Uhr unter Politik, Uni / Schule.
Von: Alex
[ Kommentare: 3 ]

Die Schulen haben insbesondere die Aufgabe, Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln und Fähigkeiten zu entwickeln, zu selbständigem Urteil und eigenverantwortlichem Handeln zu befähigen, zu verantwortlichem Gebrauch der Freiheit, zu Toleranz, friedlicher Gesinnung und Achtung vor anderen Menschen zu erziehen, zur Anerkennung kultureller und religiöser Werte zu erziehen, Kenntnisse von Geschichte, Kultur, Tradition und Brauchtum unter besonderer Berücksichtigung Bayerns zu vermitteln und die Liebe zur Heimat zu wecken, zur Förderung des europäischen Bewusstseins beizutragen, im Geist der Völkerverständigung zu erziehen, die Bereitschaft zum Einsatz für den freiheitlichdemokratischen und sozialen Rechtsstaat und zu seiner Verteidigung nach innen und außen zu fördern, die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern und auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken, die Schülerinnen und Schüler zur gleichberechtigten Wahrnehmung ihrer Rechte und Pflichten in Familie, Staat und Gesellschaft zu befähigen, insbesondere Buben und junge Männer zu ermutigen, ihre künftige Vaterrolle verantwortlich anzunehmen sowie Familien- und Hausarbeit partnerschaftlich zu teilen, auf Arbeitswelt und Beruf vorzubereiten, in der Berufswahl zu unterstützen und dabei insbesondere Mädchen und Frauen zu ermutigen, ihr Berufsspektrum zu erweitern, Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt zu wecken.

Soweit Artikel 2 des BayEUG, des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen. Als oberste Bildungsziele nennt Artikel 1 Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsbereitschaft, diese stehen so auch in der Bayerischen Verfassung (Art. 131). Im Rahmen des sogenannten Bildungsstreiks haben nun in der letzten Woche zahlreiche Schüler des Wirsberg-Gymnasiums “gestreikt” und über zwei Stunden Unterricht versäumt, obwohl vorher ausdrücklich ein Verbot ausgesprochen wurde, an der Demonstration während der Unterrichtszeit teilzunehmen. Die Schüler haben geschwänzt, sind zur Demo und haben als Konsequenz nun einen verschärften Verweis bekommen.

Frau Urbon, die den oben verlinkten Mainpost-Artikel geschrieben hat, musste in einem Kommentar auch ihren eigenen Standpunkt kundtun und bläst damit leider ins gleiche Horn wie die meisten der Kommentatoren, die die Kinder in ihren Grundrechten eingeschränkt und eine Erziehung zur Duckmäuserei sehen wollen. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema wage ich den meisten abzusprechen.

Niemand verbietet Kindern zu demonstrieren und für ihre eigene Meinung einzustehen, im Gegenteil, sie werden dazu sogar ermuntert, aber Unterrichtszeit ist nun mal Unterrichtszeit und die Eltern wissen ihre Kinder in dieser Zeit in der Obhut der Schule, wir haben in dieser Zeit schließlich auch die Aufsichtspflicht. Ich möchte mal die gleichen Eltern und Kommentatoren, die sich jetzt aufregen, dass Schulleiter Macht ausüben und die Kinder auf ihrem Weg zur Mündigkeit von der Schule gehindert sehen, erleben, wenn einem Schüler, der von seinem nicht vorhandenen Streikrecht Gebrauch macht und während der Schulzeit auf Bildungsdemos herumturnt, etwas passiert. Sollte der Schulleiter stillschweigend geduldet haben, dass die Kinder das Schulgelände verlassen, rennen ihm die gleichen Leute wohl die Tür ein und fragen, dann zu Recht, warum Schüler unbeaufsichtigt sind, obwohl sie in der Schule sein sollten. Frau Urbon macht dann vielleicht auch eine Story daraus und stellt den Schulleiter oder den Lehrer an den Mainpost-Pranger. Dass ihrer Meinung nach Duckmäuser herangezogen würden, zeigt doch auch das mangelnde Wissen, weil gerade die Aufgaben der Schule jedem Lehrer eingetrichtert werden und unser Unterricht in diesem Sinne gehalten wird. Niemandem wird seine Meinung verboten, aber in der Vorbereitung auf das Leben gehören die ausgesprochenen Strafen eben auch dazu, dass Konsequenzen aus einem Fehlverhalten hingenommen werden müssen. Oder sollen die Kinder dazu erzogen werden, ihre Pflichten zu vernachlässigen, weil sie Rechte haben? Vielleicht sollten sich das manche Eltern auch mal bewusst machen. Verantwortungsvoll haben diese Schüler nicht gehandelt, wenn jetzt nur Schule und Schulleitung böse ist, zeigt das, wie einseitig manche denken und denken wollen.

Ganz nebenbei bemerkt möchte ich auch die Frage in den Raum werfen, wie viele Neuntklässler (ganz gleich, an welcher Schule) eine reflektierte Meinung zu Studiengebühren haben (außer, dass sie dagegen sind), wer von den Missständen durch den Bologna-Prozess weiß und sich mit der Bildungspolitik auskennt. Da geht es dann wohl eher um zwei Stunden ohne Schule, ohne hier irgein Vor-Urteil zu fällen. Wie man schulintern gegen schulspezifische Mängel protestieren und trotzdem Aufsehen erregen kann, haben die Schüler vom Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt vorgemacht.


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