Blogpakt hin oder her, ich habe erst einmal überlegen müssen, ob ich zu dem Thema was blogge, aber es brennt mir förmlich unter den Fingernägeln, weil diese Pseudo-Empörungswellen gegen Einzelpersonen immer öfter durchs Land schwappen, um diese möglichst nachhaltig zu beschädigen. Mitglieder der FDP scheinen davon derzeit besonders gerne betroffen zu sein. Und wer meinen Blogs kennt, weiß, dass ich nicht jeden FDP-Politiker mögen muss.
Kaum war Rainer Brüderle zum Spitzenkandidaten der FDP für die Bundestagswahl gekürt worden, machte eine Geschichte die Runde, die landauf und landab eine Pseudo-Empörungswelle losgetreten hat, weil Rainer Brüderle plötzlich für eine Sexismus-Debatte herhalten musste, die sich wohl nicht einmal die Stern-Reporterin so ausgemalt hätte. Nicht in diesem Ausmaß jedenfalls. Sie hat in erster Linie mal einen Politiker vom alten Schlag portraitiert, Brüderles Flirtversuch scheint ihr nicht besonders gefallen zu haben. Zu sehr verfällt sie in die indirekte Rede. Das Dreikönigstreffen 2012 ist lange vorbei, dass sie die Geschichte kurz nach dem Treffen 2013 auf den Tisch brachte, kurz nach Brüderles Kür zum Spitzenkandidaten, hat einen faden Beigeschmack. Ganz taufrisch ist der Rainer Brüderle ja in der Tat nicht mehr, dementsprechend ist er auch ein bisschen altmodisch. Und auch das hat die Frau Himmelreich halt auch beschrieben: In einer Hotelbar hat er ihr ein paar Komplimente gemacht und mit Blick auf ihr Dekollete und festgestellt, dass ihr auch ein Dirndl auf der Wiesn gut stehen könnte, nachdem sie auf München zu sprechen gekommen waren. Er hätte, und das fand ich besonders schön, noch Platz für sie auf seiner Tanzkarte gehabt. Ganz ehrlich, das musste ich selbst erst einmal ergoogeln, was eine Tanzkarte ist. Dann fand ich das wirklich fast schon drollig, aber nur so lange, ehe mir wieder diese alberne Debatte eingefallen ist, die durch diesen Bericht ausgelöst wurde. Durch diesen Bericht! Plötzlich war der mehr oder weniger missglückte Flirtversuch eines älteren, etwas angetrunkenen Herren sexuelle Belästigung und auf Twitter, diesem gehaltvollen Medium, wussten plötzlich ganz viele, dass sie schon Opfer der Männer waren. Zwischen sexueller Belästigung und plumpen Flirtversuchen wurde nicht mehr unterschieden, wichtig waren der Hashtag #aufschrei und 140 Zeichen geballte Information. Irgendeine blonde Feministin hatte das vom Zaun gebrochen. Rainer Brüderle konnte und kann einem echt leid tun, dass er wegen dieser Geschichte als Sexist gebrandmarkt werden sollte, es kam ja auch so gelegen, dieser Bericht, der Brüderle angeblich so ganz und gar nicht ans Bein pinkeln wollte.
Kaum war Brüderles vermeintlicher Skandal medial restlos ausgeschlachtet, musste sich Jörg-Uwe Hahn (FDP), der hessische Minister für Justiz, Integration und Europa, mit dem Vorwurf auseinandersetzen, er sei ein Rassist. Alltagsrassismus nannte man das, natürlich empört, um jeden von uns mit dem schlechten Gewissen zu konfrontieren. Warum? Er hatte im Interview mit der Frankfurter Neuen Presse gewagt, etwas auszusprechen, was vielleicht manchen so nicht passte. Herr Hahn hatte die Frage in den Raum geworfen, ob ein asiatisch aussehender Vize-Kanzler als FDP-Vorsitzender in der Gesellschaft noch nicht vermittelbar ist. Laut Spiegel-Bericht verwirrte Hahn mit diesen Aussagen. Wen? Die üblichen Verdächtigen in solchen Fällen, die Vertreter der Oppositionsparteien, bei denen Empörung zum politischen Alltag gehört: Herr Steinmeier musste sich empören, Tarek Al-Wazir fand es gleich völlig inakzeptabel, ein anderer unerträglich, auch andere SPD- und Grünen-Politiker sahen sich genötigt, einen Skandal zu inszenieren und mit der Rassismuskeule – “Rassismus in Reinkultur” (Riexinger, Die Linke) – wild um sich zu schlagen. Erst als Philipp Rösler selbst Herrn Hahn beistimmte und klargestellt hat, dass er Hahn verstehe und er selbst sich fast täglich irgendwelche Sprüche anhören müsste, verstummte diese scheinheilige und absurde Empörung ebenso schnell wieder, die die FDP im Wahljahr noch unwählbarer machen sollte. Ist das Oppositionspolitik? Menschen Aussagen im Mund rumdrehen, um ihnen daraus dann wiederum einen Strick zu drehen? Am besten, wenn man nur Wortschnipsel auf Twitter oder sonstwo aufgefangen hat und nicht mal das eigentlich Interview kennt. Sind sich die immergleichen Empörer_Innen nicht langsam selbst zu schade, ständig irgendwelche künstlichen Skandale loszutreten, die keine sind? Mir liegt die FDP jetzt nicht persönlich am Herzen, aber die Art und Weise, wie hier fast nur noch auf persönlicher Ebene Menschen niedergemacht werden sollen, ist schäbig. Und heuchlerisch.
Erst Sexismus, dann Rassismus. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Liberaler, der ein süßes schielendes Karnickel ohne Öhrchen, aber mit flauschigem Fell und Knopfaugen, aus Versehen tottritt wie einst der Kameramann im Chemnitzer Tiergarten. Eine Tierquäler-Debatte hatten wir schließlich noch nicht. Und “aus Versehen” macht man doch ganz schnell zu “absichtlich” .
Vor lauter politisch korrektem Gender-Geschiss kann man – oder auch frau (!) – schon mal den Überblick verlieren. Wann hört dieses überflüssige Getue mit der Nennung von männlicher und weiblicher Form endlich auf, egal ob in Reden oder in Texten, die dämliche Doppeltnennung macht nicht nur jeden Sprachfluss kaputt, sondern schafft auch mehr als alberne Wortgebilde, die mit der deutschen Sprache nichts mehr am Hut haben. Erst kürzlich habe ich irgendwo ”Bürger/innen-Dialog” gelesen und nur den Kopf geschüttelt, schließlich impliziert doch das Wort “Bürger” für einen normalen Menschen, dass da Männlein und Weiblein gleichermaßen gemeint sind, ohne dass beide explizit genannt werden müssen. Oder wählen wir demnächst den/die Bürger/innenmeister/in? Für manche scheint das aber zwingend notwendig zu sein, die praktizieren das dann auch bis zum (sprachlichen) Erbrechen. Wie es sich anhört oder liest, egal, Hauptsache, die Gender-Gerechtigkeit bleibt gewahrt.
Ab und an sorgt dieser Unsinn dann nicht nur für schreckliche Wortmissbildungen, sondern endet in einem eher peinlicheN Plakat. Und für alle Interessierten und Interessiertinnen, “willkommen” schreibt man hier auch klein. Aber wer Frauenquoten braucht, muss auch politisch korrekt beide Formen nennen.
In der SPD müssen sie echt ziemlich verzweifelt sein… Einer Fortsetzung der großen Koalition, in der Matthias Platzeck seit sieben Jahren als Nachfolger von Manfred Stolpe als Ministerpräsident regiert, zieht er jetzt wohl eine rot-rote Koalition mit den Linken vor. Jetzt dürfen die SED-Nachfolger bald auch in Brandenburg regieren und ehemalige Stasi-IM sitzen am Regierungstisch und reden fleißig mit. Ganz toll, Herr Platzeck! Da war Matschies Absage an die Linken wesentlich sympathischer, wenn auch überraschender.
Immerhin bleibt das Saarland von einer rot-rot-grünen Regierung verschont. Dieses blöde Jamaika-Gerede nervt zwar, aber eine solche Koalition mit CDU und FDP steht den Grünen besser zu Gesicht als ein Bündnis mit den Dauer-Losern und den Kommunisten mit ihrer angeblichen sozialen Gerechtigkeit. Regierungsnutten waren die Grünen ja bisher nie, weil ihnen auf der Oppositionsbank kein Zacken aus der Krone breche, wie Cem Özdemir heute gemeint hat, wenn sie wirklich das Bildungsministerium bekommen, können sie der Regierung auch ihren Stempel aufdrücken. Wo ist das Problem? In der Regierung wären die Grünen doch so oder so gewesen? Dass SPD und Linke jetzt Gift und Galle spucken, ist verständlich, interessant, dass gerade diese Parteien jetzt von Wählertäuschung palavern. Eine solche Vernunft-Koalition ist selbst im Saarland besser als eine Zusammenarbeit mit Lafos Krawall-Kommunisten. Lasst die Grünen leben, so sehr unterscheiden sich FDP und Grüne doch auch nicht. Wieso sollen die Grünen immer auf die SPD und die Linken festgelegt bleiben? Wie hat Harald Schmidt unlängst bemerkt:
Wenn sie in einer Altbauwohnung mit Stuckdecke wohnen und ihr Gemüse beim türkischen Händler kaufen, dann wählen sie die Grünen. Wenn sie in einer Altbauwohnung mit Stuckdecke wohnen und ihr Gemüse vom türkischen Händler bringen lassen, dann wählen sie FDP.“
Heute Abend kommt es also wieder zum TV-Duell zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und SPD. Mittlerweile hat dieses Fernseh-Spektakel so etwas wie Tradition, wurde es doch erst 2002 erstmals in dieser Form übertragen. Schröder erwies sich in den zwei Duellen 2002 als besserer Medienprofi als Herausforderer Stoiber, viel Neues brachten die Sendungen aber nicht, ebensowenig das Rededuell zwischen Schröder und Merkel.
Heute Abend stellen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Fragen von Frank Plasberg, Maybrit Illner, Peter Limbourg und Peter Kloeppel. Die Duellanten werden im Vorfeld akribisch gecoacht, natürlich werden beide selten wirken, die Antworten zu den bekannten Themenbereichen wurden im Vorfeld geklärt. Herr Schröder trat teilweise fast schon selbstherrlich auf, die Schwächen Stoibers wurden mehr und mehr spürbar, während er sich krampfhaft locker zu geben versuchte. Ähnlich könnte es heute Abend auch aussehen, wenngleich Merkel sicher nicht selbstherrlich auftreten wird. Steinmeier ist einfach zu hölzern und zu wenig Medienmensch. Ein verkrampftes Lächeln werden beide im Gesicht haben, die gespielte Lockerheit Steinmeiers, der in den letzten Wochen wohl Ratschläge über Ratschläge bekommen hat, wird wieder eher unfreiwillig komisch wirken und der Imagewandel kaum klappen. Merkel sollte nicht zu kühl wirken, auch das wird wohl geübt. Ich schaue mir das TV-Duell natürlich an, die Bedeutung solcher Duelle kann ich nicht ganz verstehen, weil es am Ende doch eine reine Wahlkampf-Show ist, die im Vorfeld von Beraterstäben perfekt durchgeplant wurde, und auch im Studio nach strengen Regeln ablaufen wird. Blitzumfragen, Trends, Fragen nach dem Gewinner, all das füllt dann die After-Show-Partys. Da es aber in den Umfragen derzeit sehr knapp zugeht, könnte das TV-Duell in diesem Jahr tatsächlich eine größere Rolle spielen.
Das war ja vielleicht ein Debakel für die SPD bei der Europawahl am Sonntag. Hätte Frank-Walter Steinmeier nicht schon schneeweiße Haare, sie wären es seit Sonntag, jetzt können sie nur noch ausfallen. Zu Berge stehen tun sie schon. Was hilft dem Kanzlerkandidaten der SPD jetzt noch auf dem Weg zur Bundestagswahl? Ein Eisbärbaby reicht da nicht. Knut müsste schon einen Selbstmordversuch unternehmen und Steinmeier ihn retten. Zusammen mit Siegmar Gabriel, dem Patenonkel von Knut. Nein, da müssen größere Geschütze aufgefahren werden. Den Osten müsste man dieses Mal schon komplett fluten, damit Steinmeier den Retter geben kann. Als amtierende Kanzlerin würde Merkel hier mit Schwimmweste und Ostfriesennerz aber auch wieder punkten. Hilft nicht. Obama müsste zurücktreten und George W. Bush übernehmen, ein Krieg gegen den Irak ist nicht in Aussicht, Peer Steinbrück könnte ja der Schweiz den Krieg erklären und Steinmeier sorgt als Außenminister und Kanzlerkandidat in Personalunion für Frieden. Abstrus und total bescheuert. Nicht mal die Amis führen einen Krieg, gegen den man aktuell sein könnte, die Bundeswehr ist schließlich auch in Afghanistan.
Mit unerwarteten Milliardengewinnen könnte Steinmeier einfach mal alle Unternehmen Deutschlands retten, denen es gerade schlecht geht. Arcandor und Opel fusionieren, beim Kauf eines neuen Insignia bekommt man dann jede Menge Payback-Punkte, weil auch der Kaufhof irgendwie mit im Boot sitzt und auf jedem Retter-Bild winken Steinmeier und Müntefering.
Es bräuchte zusäzlich aber auch noch eine Steueraffäre von Frau Merkel, ein uneheliches Kind mit Koch und/oder Seehofer und eine Stasi-Affäre um Karl-Theodor von Guttenberg…
Was ganz sicher Stimmen bringt: Steinmeier adoptiert afghanische Waisenkinder und zeigt sie von Anne Will bis Maybrit Illner in allen Talkshows, während er zeitgleich verspricht, dass Deutschland nächstes Jahr locker Weltmeister wird.
Eines muss man dem in jeder Hinsicht ulkigen Thorsten Schäfer-Gümbel ja lassen: Im Gegensatz zu seiner bisherigen Landes- und Fraktionschefin Andrea Ypsilanti ist er ein Realist…
Die gestrige Diskussionsrunde bei Anne Will hat richtig Spaß gemacht. Zu Gast waren NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit, Brigitte Seebacher, Michel Friedman und die Oberkommunistin Sahra Wagenknecht von den SED-Erben. Es sollte zwar eigentlich nur über den Wahlkampf und das Ergebnis der hessischen Landtagswahl diskutiert werden, es wurde aber eine mitunter hitzige Debatte unter anderem über Verstaatlichungen und Teilverstaatlichungen, in der Frau Wagenknecht irgendwann nur noch dümmlich unbeholfen lächeln konnte, weil sie von Frau Seebacher und Herrn Rüttgers ordentlich rundgemacht worden ist, nachdem sie nicht mehr konnte, als ihre einstudierte Systemkrtik loszuwerden. Rüttgers fuhr sie nach einer Unterbrechung barsch an, die Linke sei politikunfähig, Wagenknecht solle jetzt mal ruhig sein, sie habe keine Ahnung von Wirtschaft, schwadroniere aber munter darüber. Es wurde wieder einmal herrlich gestritten, auch Anne Will bekam von Rüttgers ihr Fett weg, weil sie nach Rüttgers’ Meinung Wagenknechts Verstaatlichungsgequatsche zuließ, seinen Konter aber abwürgen wollte.
Eine sehr interessante Sendung, in der sich zeigte, dass Frau Wagenknecht dort genauso überflüssig war wie ihre Partei in deutschen Parlamenten. Interessant auch, für wie fremdenfeindlich Herr Friedman die Deutschen hält.
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.
Ich verstehe hier nicht den SPD-Vorsitzenden Müntefering und Kanzlerkandidat Steinmeier. Die müssten doch mal auf den Tisch hauen und dieses Affentheater beenden, wenn den Hessen schon das Demokratie-Verständnis fehlt. Die Ohrfeige morgen darf der selbst ernannte “Hessen-Obama” und Internet-Wahlkämpfer Thorsten Schäfer-Gümbel ausbaden, die Ohrfeige dürfte aber eher ein Tritt in die Eier werden und richtig weh tun.
Freitag, 21. November 2008, 22:07 Uhr unter Politik. Von: Alex [ Kommentare: 2 ]
Wenn Thorsten Schäfer-Gümbel auf diesem Niveau den Wahlkampf beginnt, sollte er am besten gleich zu Hause bleiben. Wenn ihm nichts anderes einfällt, als über das Aussehen von Roland Koch zu lästern, ist das ziemlich arm. Wenn es lustig sein sollte, hat der Witz sein Ziel verfehlt. Vor allem wundere ich mich, dass Herr Schäfer-Gümbel glaubt, er würde einen Schöneheitswettbewerb gegen Koch gewinnen. Um mich diplomatisch auszudrücken, attraktive Männer sehen anders aus. Sie haben ein Kinn und kein Milchsuppengesicht. Das war also ein Kalter. In Assi-Talkshows freue ich mich immer, wenn der Assi oder die Assi-Schlampe bei Oliver Geissen über das Aussehen der Gegenüber herziehen – Schau dich doch mal an, ey! Wie du aussiehst, ey! -, wenn die Argumente ausgehen oder gar nicht erst vorhanden sind.
Ruft die SPD in Hessen jetzt wieder die Parole Hauptsache, Koch ist weg! aus? Das war eine ganz miese Vorstellung von dem Herrn mit dem lustigen Doppelnamen. Wenn man schon einen Doppelnamen hat, ey!
Im Januar wird in Hessen neu gewählt. Nach dem Ypsilanti-DebakelYpsilanti-Spektakel vom Montag reißt sich die Hessen-SPD nicht um Neuwahlen, da CDU, FDP, Grüne und Kommunisten dafür sind, bleibt den Lügilantis nichts anderes übrig, als mitzumachen. Frau Ypsilanti kommt bei den eigenen Wählern bestimmt nicht mehr so gut an, seit sie ihnen im Wahlkampf versprochen hat, nicht mit den Linken zu koalieren, um dann dreist dieses Wahlversprechen zu brechen. Egal, der Käse ist gegessen, der Spuk ist vorbei und bei den Neuwahlen wird die SPD die Quittung für ihre Politik bekommen. Die üblen Beschimpfung der vier “Abweichler”, die den Wahlbetrug nicht mitgetragen haben, waren dann das Sahnehäubchen in einer unsäglichen Politposse.
Die Empörung bei SPD, Grünen und Linken ist mindestens so groß wie die Schadenfreude im konservativen Lager, so groß, dass ich ihr auf jeden Fall einen eigenen Beitrag widmen muss. Claudia Roth sieht im Verhalten der Abweichler – Achtung, sie greift tief in die rhetorische Keulenkiste – “politische Verkommenheit”, die zu noch größerer Politikverdrossenheit führen würde. Die Argumentation kann ich zwar nicht nachvollziehen, da die vier meines Erachtens Rückgrat beweisen, wo die anderen längst der Machtgier nachgegeben haben, und so dem Versprechen aus dem Wahlkampf treu geblieben sind, aber wenn sie meint, das ist das eben so. Irgendwas muss sie ja empören.
Auch Klaus Wowereit, der in Berlin schon länger mit den Kommunisten regiert und das gar nicht schlimm findet, empört sich auch und empfindet es als Schande.
Ich kann nur noch einmal den Artikel 38 unseres Grundgesetzes (Absatz 1) zitieren, das auch für den hessischen Landtag gelten sollte:
Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.
Wenn die Abgeordneten der Überzeugung sind, mit den Linken wollen sie nicht zusammenarbeiten, ist es doch ihr gutes Recht, dagegen zu stimmen. Was ist daran so verkommen? Sie hätten Ypsilanti ja auch auflaufen lassen können und morgen scheitern lassen können, wie es damals Heide Simonis passiert ist. Die Sondersitzung morgen ist übrigens abgesagt worden.
Getreu Edmund Stoibers Ausruf am politischen Aschermittwoch vor einigen Jahren passt dieser Reim heute wie die Faust aufs Auge. Ich lasse meiner Schadenfreude selten so freien Lauf wie ich das jetzt tue.
Ist das nicht großartig, was da in Hessen abläuft? Im Wahlkampf war schon die Maxime “Hauptsache, der Koch ist weg” maßgeblich, Inhalte spielten kaum eine Rolle, was nachkommt, schien völlig egal zu sein, wichtig war nur die Demission Kochs. Die Strategie ging auf, wenn auch nicht richtig, die CDU blieb zwar ganz knapp stärkste Fraktion, eine regierungsfähige Mehrheit aber war weg. Es folgte ein unsägliches Machtgeschacher und vor lauter Machtgeilheit wurden Wahlversprechen seitens SPD und Grüne mal eben vergessen, damit Andrea Ypsilanti hessische Ministerpräsidentin Roland Koch endlich abgewählt werden kann. Ohne Mehrheit, aber mit Duldung der Kommunisten. Eine Koalition wäre dann doch zu viel des Guten gewesen. Der damalige SPD-Chef Beck ließ den Hessen freie Hand und die Grünen waren überraschend schnell mit im Boot.
Gewählt wurde Ypsilanti aber nicht, weil Dagmar Metzger ihre Zustimmung verweigerte und auch auf heftigen Druck aus Ypsilantis Umfeld an ihrer Meinung festhielt. Roland Koch ist seitdem geschäftsführender Ministerpräsident ohne eigene Mehrheit, dem sollte morgen ein Ende gesetzt werden, Ypsilanti ließ das Abstimmen üben, üben und üben, aber ihr Gegenspieler vom konservativen Flügel der SPD, Jürgen Walter, galt spätestens seit der Kabinettsbildung als Wackelkandidat, da er keinen Ministerposten bekam und sowieso gegen eine Zusammenarbeit mit den Linken war. Und seit heute Vormittag ist es sicher, Ypsilantis Machtstreben ist vorbei, drei weitere SPD-Abgeordnete neben Frau Metzger, u.a. Herr Walter, machen das miese Spiel nicht mit und haben heute angekündigt, nicht für Y zu stimmen.. Ich verstehe zwar nicht, warum die vier SPD-Politiker jetzt “Rebellen” sind oder sein sollen, aber das ist eher nebensächlich. Sie halten an den Wahlversprechen fest und stehen dafür ein. Es zeichnete sich in den letzten Tagen schon ab, dass trotz aller Probeabstimmungen die Wahl scheitern könnte, dass es aber so deutlich wird und schon vor der Wahl passiert, hätte ich mir nicht zu träumen gewagt. Der Hessen-SPD darf man auch weiterhin getrost Wortbruch vorwerfen, die vier “Abtrünnigen” (Zitat FAZ) stehen schließlich nicht für die Parteitagsentschlüsse, die Ypsilanti grünes Licht gegeben haben. Was für ein wunderbares Szenario, Ypsilanti wird für ihr machtgieriges Spiel abgestraft. Jetzt ist Müntefering halt tief betroffen und andere Sozen sind gar empört, das wird sich wieder legen und insgeheim werden sie irgendwann froh sein, denn mit Blick auf die Bundestagswahl hätte man doch der SPD eher geglaubt, die Benzinpreise würden auf unter einen Euro sinken als ihre Beteuerungen, es gäbe auf Bundesebene keine Zusammenarbeit mit der SED. Mit ihrer Entscheidung haben sie nur etwas arg lange gewartet, diese Kritik verstehe ich, auch wenn Münte sich jetzt nicht so künstlich aufregen muss. Die vier stehen wenigstens zu den Versprechungen aus dem Wahlkampf. Hochanständig ist diese Haltung dem Wähler gegenüber auf jeden Fall.
Jetzt bin ich mal gespannt, ob sich Ypsilanti morgen wirklich noch der Wahl stellt. Sie kann ja mal Heide Simonis anrufen, wie sich das anfühlt, in vier Wahlgängen keine Mehrheit zu bekommen. Bei der Gelegenheit kann sie sich gleich erkundigen, ob eine Tanzshow geplant ist, ansonsten wartet bei RTL auch das Dschungelcamp, da kann Frau Y. dann gleich wieder baden gehen..
Die von mir schon im August gewünschte politische Entsorgung Ypsilantis ist damit wohl erreicht, oder? Eine Chronologie der Ereignisse seit Januar findet sich hier.
Ben Nash: Du kannst ja total ausgewogen argumentieren....
Hazamel: Eines habe ich allerdings noch nicht verstanden,...
Gästebuch
Melli Da lass ich mal liebe Grüße da, Herr Kollege!
Guten Rutsch! ... DayLight Hier hab ich grad Boot bestellt für ne Kanutour:
http://www.willis-bootsve... Leila Ich giere nach dem letzten Dittsche! :D Bitte schreiben, danke. ... Alex Kann Ihnen leider nicht weiterhelfen. Ich freue mich aber, dass Ihnen meine... Ehrhardt, Kati Ich bin auf die Seite gestoßen, weil ich meinem Sohn Blockflöte spielen bei...